Zahl der Organspender in Deutschland sinkt wieder

In anderen Ländern haben Schwerkranke höhere Chancen auf rettende Transplantationen. Ein neuer Gesetzentwurf soll auch hierzulande die Lage verbessern.
Die Zahl der Organspender in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. 2019 haben 932 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Montag mit. 2018 waren es 955 Organspender; 2017 kam es mit 731 Spendern zum bisherigen Tiefststand. Deutschland ist mit einer Spenderrate von 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner nach wie vor eines der Schlusslichter im europäischen Vergleich. In Baden-Württemberg sank die Zahl der Organspender von 126 auf 118.

Die DSO warb erneut für die Einführung einer Widerspruchslösung in Deutschland. Sie würde die Auseinandersetzung mit der Organspende am besten fördern. Bei der derzeit gültigen Entscheidungslösung seien es mehrheitlich die Angehörigen, auf denen die Bürde laste. Eine schriftliche Willensbekundung liege derzeit nur bei 15 Prozent der möglichen Organspender vor.

Der Bundestag stimmt am Donnerstag über zwei Gesetzentwürfe ab: Bei der Widerspruchslösung geht der Staat davon aus, dass grundsätzlich jeder Bürger ein potenzieller Organspender ist – außer, er hat ausdrücklich widersprochen. Bei der erweiterten Zustimmungslösung, können nur dann Organe entnommen werden, wenn die verstorbene Person einer Spende zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat.

Bundesweit wurden 2019 in den 46 Transplantationszentren 3192 Organübertragungen durchgeführt; Deutschland profitierte damit erneut von Organspenden aus dem Ausland. Insgesamt wurde 3023 schwerkranken Patienten ein oder mehrere Organe übertragen. Im Jahr zuvor gab es in Deutschland 3264 Organtransplantationen. 2019 übermittelte die DSO 2995 gespendete Organe an die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant. Dort kooperieren Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien. Das ermöglicht es, die Spenderorgane einem Empfänger zuzuordnen. kna

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© Südwest Presse 14.01.2020 07:45
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