Handball

Nach Zittersieg in der Hauptrunde

Die deutschen Spieler haben es gegen Lettland verpasst, Selbstvertrauen zu tanken. Gegen den EM-Debütanten setzte sich das Team von Bundestrainer Prokop knapp mit 28:27 durch.
  • Julius Kühn war mit acht Toren gegen Lettland der beste deutsche Spieler. Foto: Robert Michael/dpa
Ab nach Wien! Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft in Österreich, Norwegen und Schweden das Minimalziel erreicht und den Einzug in die Hauptrunde perfekt gemacht. Der 28:27 (16:11)-Erfolg im letzten Gruppenspiel gegen den EM-Debütanten Lettland war jedoch kein Ruhmesblatt und weckte nicht gerade große Hoffnungen auf einen Halbfinal-Einzug. Zumal das Team von Bundestrainer Christian Prokop aufgrund der 26:33-Niederlage im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien ohne Punkt nach Wien reist (die Zähler gegen die ebenfalls für Wien qualifizierte Nation wird mit nach Österreich genommen).

„Wir sind der Favorit gegen Lettland und wenn wir unsere Stärken ausspielen, bin ich mir sicher, dass wir auch gewinnen“, hatte Prokop vor dem Spiel klargestellt. Die Frage war eigentlich nicht, ob Deutschland gegen den Turnier-Neuling siegen wird, sondern wie sich das Team nach der Klatsche gegen die Spanier präsentieren wird? Doch auch wenn man sich mit einem Sieg aus Trondheim verabschiedet hat, war die letzte Partie in Norwegen nicht der erhoffte Befreiungsschlag für Gensheimer und Co.

Prokop veränderte im dritten Spiel des Turniers erstmals seine Startformation und brachte Timo Kastening statt Tobias Reichmann auf Rechtsaußen. Außerdem stand Jogi Bitter anstelle von Andreas Wolff zu Beginn zwischen den Pfosten. Der Stuttgarter hatte gegen Spanien, als beide Keeper sich nicht groß auszeichnen konnten, noch den besseren Eindruck hinterlassen.

In der Anfangsphase konnte Lettland die Partie offen gestalten, dem 2,15-Meter-Hünen Dainis Kristopanis gelang der erste Treffer der Partie. Bis zum 6:6 blieb es ausgeglichen und bereits da zeigte sich ein Manko des deutschen Spiels: Immer wieder kamen die Letten über den Kreisläufer zum Torerfolg.

Auf der anderen Seite nutzte Julius Kühn die Freiheiten, die ihm die defensive 6:0-Abwehr der Letten zugestand und war mit acht Treffern bei neun Versuchen der stärkste Akteur der DHB-Auswahl. Mit seinen Toren sorgte er dafür, dass der Favorit nach 24 Minuten auf 13:8 davon zog. Bis zur Halbzeit konnte dieser Vorsprung gehalten werden (16:11).

Zu Beginn der zweiten Hälfte zog Deutschland auf 19:12 davon. Doch wer erwartet hatte, dass nun der Bann gebrochen ist, sah sich getäuscht. Lettland gab nicht auf, sondern spielte unbekümmert weiter. „Ein Kompliment an die Letten, dass sie dagegen gehalten haben“, sagte Kühn dem ZDF. Das war allerdings untertrieben.

DHB-Abwehr noch nicht in Form

Der Außenseiter hielt nicht nur dagegen, sondern brachte die DHB-Auswahl an den Rand einer Niederlage. Immer wieder löste das Team des in Deutschland lebenden Trainers Armands Uscins auf zwei Kreisläufer auf und stellte die Abwehr um Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek vor große Probleme. „Die Frage ist, warum wir in der Deckung noch nicht zu unserer Form gefunden haben? Die sollte eigentlich das Prunkstück sein“, zeigte sich Abwehrchef Pekeler ratlos.

Nach dem 24:17 durch Paul Drux lief beim deutschen Team hinten wie vorne nicht mehr viel zusammen. Dem 36-Jahre alten Aivis Jurdzs gelang 50 Sekunden vor dem Ende sogar der 27:28-Anschlusstreffer. Doch die deutsche Mannschaft behielt einen kühlen Kopf, spielte die Restspielzeit souverän herunter und ließ Lettland nicht mehr in Ballbesitz kommen.

Jogi Bitter zeigte sich nach dem Schlusspfiff trotz des dürftigen Auftritts mit Blick auf die Hauptrunde zuversichtlich. „Wir wissen, dass wir viel besser spielen können“, sagte der 37-Jährige im ZDF. In Wien ist es allerdings an der Zeit, dass die deutsche Mannschaft das nun auch zeigt.
© Südwest Presse 14.01.2020 07:45
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