Trends – Bikes für jede Nische

Im Jahr 2020 kommen viele interessante Modelle in den Handel.

Es sind gute Zeiten für Biker, die über die Anschaffung einer neuen Maschine nachdenken

„Der Markt wird insgesamt noch vielfältiger, die Auswahl noch größer“, sagt Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Motorradfahrer. Das habe zuletzt die Messe EICMA in Mailand gezeigt.

Nahezu jeder Hersteller versuche, möglichst jede Nische und jedes Segment mit einem Modell zu besetzen, sagte Lenzen im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Bestes Beispiel sei Harley-Davidson: „Selbst diese mit Baggern, Bobbern und Choppern auf ur-amerikanische Motorradgattungen spezialisierte Marke bietet mit dem Modell Pan America nun eine große Reise-Enduro an“, erklärt Lenzen.

Damit begeben sich die US-Amerikaner auf ein für sie eher unbekanntes Terrain, das bisher von Marken wie BMW mit der GS-Modellreihe, Ducati mit der Multistrada, KTM mit der 1290 Super Adventure, Honda mit der Africa Twin und Yamaha mit der XT 1200 Z Super Ténéré bestimmt wird.

Einfache und schöne
Motorräder

Ihre Nische finden wollen zugleich kleine Hersteller wie Herald Motor Company aus England und Brixton Motorcycles, das zur österreichischen KSR-Group zählt. Mit Modellen zwischen 125 bis 500 Kubikzentimeter (ccm) und gezeichnet im klassischen Scrambler- oder Café Racer-Look, erfüllen ihre Maschinen die Sehnsucht mancher Fahrer nach einfach konstruierten, bezahlbaren und schön anzuschauenden Motorrädern.

Besonders Brixton legt hier mit den fast deckungsgleichen Modellen Crossfire 500 und Crossfire 500 X vor. Lenzen sieht darin etwas „Ursprüngliches als Gegenbewegung zum Höher, Schneller, Weiter“. Das schlägt sich aus seiner Sicht in - oft im Retro-Gewand daherkommenden - einsteigerfreundlichen Modellen mit bis zu 48 PS nieder. Die neue Kawasaki W 800 sei ein weiteres Beispiel.

Der Markt wird insgesamt noch vielfältiger, die Auswahl noch größer.“

Michael Lenzen

Vorsitzender des Bundesverbandes der Motorradfahrer

sportler in verschiedenen Preisklassen

Dennoch geht es bei den Neuheiten auch um Innovation und Leistungsschau: „Man zeigt, was technisch machbar ist“, sagt der Experte. Ein Beispiel dafür sei die 180 PS starke AMB 001, eine Gemeinschaftsproduktion der britischen Motorradmanufaktur Brough Superior und des britischen Luxussportwagenherstellers Aston Martin. Die Maschine ist auf 100 Exemplare limitiert und kostet 108 000 Euro.

Bei weitem nicht so teuer werden dürfte die Neuauflage von Hondas Supersport-Klassiker CBR 1 000 RR-R Fireblade. Details zum Preis der 217 PS starken Maschine haben die Japaner aber noch nicht genannt. „Honda war im Segment der Supersportler in den vergangenen Jahren etwas zurückgefallen und musste etwas tun“, erklärt Lenzen und sieht in dem neuen Modell den Versuch, die Pole Position zurückzuerobern.

Doch längst nicht jeder findet Gefallen an so viel Power. Laut Lenzen nehmen viele Hersteller die Mittelklasse wieder mehr in den Blick und reagieren damit auf die wachsende Zahl der Ein- und Wiedereinsteiger. So bringe etwa der italienische Hersteller Aprilia mit der neuen RS 660 einen leichten Sportler mit Reihentwin-Motor auf den Markt.

In der Mittelklasse sehe BMW wohl auch die Crossover-Geschwister F 900 R und F 900 XR, vermutet Lenzen. Zwar könne man trefflich darüber diskutieren, ob ein Motorrad mit 900 ccm und 105 PS tatsächlich noch in diese Klasse gehöre. „Aber BMW will es so und bietet mit dieser Weiterentwicklung der 800er-Baureihe einen konkurrenzfähigen Sporttourer im Zweizylinderbereich an.“ Ebenfalls mit zwei Zylindern, aber nicht in Reihe, sondern in Boxer-Form und mit doppelt so großem Motor, wartet die BMW R18 auf. Die Bayern haben für 2020 ein Serienmodell des Konzept-Motorrads in Aussicht gestellt, das mit dem Big-Boxer-Motor angetrieben wird. dpa

© Gmünder Tagespost 24.01.2020 16:05
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