Kunstmesse

Augen auf beim Kunstkauf

Bei der 17. Ausgabe der Messe treffen Klassiker der Moderne auf Social-Media-Stars von heute. Ein spezieller Fokus liegt auf Druckgrafik.
  • Vorne ist „The Cage“ von Karsten Konrad zu sehen, im Hintergrund links eine Arbeit von Tanja Rochelmeyer und im Hintergrund in der Mitte Arbeiten von Jan Muche. Foto: Uli Deck/dpa
  • Auch „Drei Köpfe“ von Stefanie Ehrenfried sind ausgestellt. Foto: Uli Deck/dpa
  • Das Werk „Abime Pivotante“ von Martin Hollebecq. Foto: Uli Deck/dpa
  • Das Werk „New Horizon“ von Heiner Meyer. Foto: Uli Deck/dpa
Draußen, vor den Toren der Messe, flattern die Fahnen im Sturm, der die Besucher am Preview-Tag der 17. Art Karlsruhe geradezu in die Hallen zu treiben scheint. Drinnen bekommt man davon nichts mit, am wenigsten vielleicht bei Hans-Peter Haas, der auch keine Verkaufsgespräche führen muss. Der bald 85-jährige Haas sagt, es sei eine große Ehre für ihn, seine Sammlung auf der Art Karlsruhe präsentieren zu können.

Dabei müsste es eigentlich umgekehrt sein, denn „HPH“ ist einer der wichtigsten Siebdrucker nicht nur Deutschlands, sondern weltweit. Die Künstler der Gruppe Zero, aber auch internationale Stars wie Roy Lichtenstein oder Victor Vasarely vertrauten auf die Künste des Stuttgarters, der dieses Jahr 85 Jahre alt wird, und dankten ihm mit Widmungen auf den Drucken, die Haas für sie anfertigte. „Wunderbar!“ steht da, oder „für Meister Haas“, wie Heinz Mack schrieb. Er habe zu jedem Künstler ein gutes Verhältnis gehabt, sagt HPH.

Die Sonderschau der Stiftung Hans-Peter Haas ist eine stille Attraktion der 17. Art Karlsruhe, die sonst allen Anlass zum Protzen hat: 210 Galerien aus 15 Ländern präsentieren bis Sonntag ihre Künstler in den vier Messehallen. Und neben dem Thema Skulptur, das auf der Messe seit jeher einen hohen Stellenwert hat (der durch einen neuen Skulpturengarten im Atrium noch unterstrichen wird), soll 2020 ein besonderer Fokus auf der Grafik liegen, die in Halle 1 zuhause ist. Die Art Karlsruhe habe „immer mehr Strahlkraft, auch international“, freut sich Messechefin Britta Wirtz beim Presseempfang. Und Ewald Karl Schrade, Gründer der Art, freut sich über das breite Spektrum, das erneut von klassischer Moderne bis zu Gegenwartskunst reicht. „Die Jungen gäbe es nicht ohne die Vorfahren“, sagt er.

Die Vorfahren und Altmeister der Moderne sind nicht nur unter den Serigrafien Hans-Peter Haas', sondern auch an den Ständen der Galerien reichlich vertreten: Picasso, Käthe Kollwitz, Christo, Warhol, Richter. Was die Künstler der jüngeren Generationen zeigen, steht oft deutlich in der Nachfolge der großen Namen der Kunstgeschichte. Der Abstrakte Expressionismus, oft kombiniert mit figurativen Elementen, die Pop Art, die Konkrete Kunst sind die augenfälligen Bezugspunkte an vielen Ständen. Politisches, gar Anstößiges, findet man kaum in den Hallen. Die Art Karlsruhe spricht ein bürgerliches Publikum an, Sammler, aber auch Menschen, die Schmuck für ihr Wohnzimmer, ihre Praxis oder ihre Kanzlei suchen. Abseitige Positionen finden hier kaum Käufer. Eine Grafik ist schon für 200 Euro zu haben – ein Blatt etwa von David Hockney kann aber auch 60 000 Euro kosten, manche Gemälde ein Mehrfaches.

Doch zwischen all der Gediegenheit entdeckt der aufmerksame Besucher auch Besonderes und Ungewöhnliches, etwa Fotografien der US-Weltraumbehörde (Gadcolletion, H3/H24), die feinen Rasterzeichnungen der gebürtigen Schweizerin Serena Amrein (Artmark, H2/A30, und Edition & Galerie Hoffmann, H2/C11) oder die fotorealistischen Täuschungen Stefan Bircheneders (The View, H4/L01). Blickfänge sind wieder die 20 Skulpturenplätze, besonders die Figurenparade von Volker März (Tammen, H3/J31), die sofort gute Laune verbreitet.

Prominente locken das Publikum

Was 2020 auffällt: Zwischen die etablierten bildenden Künstler mischen sich Prominente aus anderen Sparten: Fotografien von Kabarettist Dieter Nuhr, Grafik von Musiker Michael Patrick Kelly, Malerei von Schriftstellerin Herta Müller, verschiedene Editionen der Folklegende Bob Dylan. Bekannte Namen sind nicht unbedingt Garanten für herausragende Kunst, aber gute Verkaufsargumente.

Und dann ist da noch Leon Löwentraut, der erst 21-jährige Düsseldorfer Hype-Maler, der bei Geuer&Geuer (H4/M11) am Preview-Tag von Kamerateams und Fans mit Smartphone umlagert ist. Die Mechanismen der Social-Media-Welt greifen längst auch auf der Art Karlsruhe.
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
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