Kommentar Elisabeth Zoll zum Schreiben des Papstes

Enttäuschung überwiegt

  • Elisabeth Zoll Foto: Volkmar Könneke
Das päpstliche Schreiben zur Amazonas-Synode ist enttäuschend. Einerseits. Empfehlungen, verheiratete Männer, die bereits als Diakone tätig sind, in Ausnahmefällen zu Priestern zu weihen, sucht man darin vergebens. Wegen des enormen Priestermangels hatten Bischöfe der Amazonas-Region sich genau dieses gewünscht. Und nicht nur sie.

Auch Signale für ein Diakonat von Frauen sind im Schreiben des Papstes nicht zu finden. Klarer noch: Eine „Klerikalisierung von Frauen“ lehnt Franziskus ab. Nicht Weiheämter will der Papst für Frauen in der Kirche öffnen, sondern Positionen, die mit Entscheidungsmacht verbunden sind. Zwei Hoffnungen auch der westlichen Welt hat Franziskus damit einen Dämpfer verpasst.

Andererseits: Mit seinem Schreiben beschreitet Papst Franziskus neue Wege. Nicht sein Deutungsrahmen, sondern jenes Papier, das die Amazonas-Bischöfe nach dreiwöchiger Beratung beschlossen haben, macht er zum offiziellen Dokument für die Weltkirche. Damit ist vor allem eines nicht geschehen: Den Forderungen wurden keine endgültige Abfuhr erteilt.
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
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