Biathlon WM in Antholz

„Eine Medaille in der Staffel ist realistisch“

Benedikt Doll verrät, wie er sich auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet hat und warum er am Schießstand immer öfter die Nerven behält.
  • Sprint-Weltmeister von 2017: Benedikt Doll muss sich nichts mehr beweisen. Foto: Darko Bandic/AP/dpa
Nach dem Aus für den formschwachen Uhinger Simon Schempp ist der Schwarzwälder Benedikt Doll erst recht zum baden-württembergischen Hoffungsträger der Biathlon-WM in Antholz avanciert. Als Sprint-Weltmeister von 2017 und doppelter Bronzegewinner von Olympia 2018 hat der 29-Jährige bewiesen, dass er ein Siegläufer ist – wenn er seine Nerven beim Schießen im Zaum hält. Im Interview verrät der Biathlet der Ski-Zunft Breitnau, wie er sich auf diese Weltmeisterschaft vorbereitet hat.

Herr Doll, wie waren die letzten Tage vor der Weltmeisterschaft im Trainingslager in Ridnaun?

Benedikt Doll: Wichtig war es, unter optimalen Voraussetzungen zu trainieren, wir wollten uns den letzten Feinschliff holen. Ridnaun wurde bewusst gewählt, weil es auch schon auf 1350 Meter Meereshöhe liegt, hier können wir uns gut akklimatisieren.

Richtig, die Südtirol-Arena ist das höchstgelegene Biathlon-Stadion im Weltcup, die Luft entsprechend dünn. Wie reagieren Sie 1600 Meter über dem Meer auf die Wettkampfbelastung?

Auf der Strecke macht es gar keinen so großen Unterschied. Man merkt es schon, es schlaucht ein wenig mehr. In Antholz ist der Schießstand ganz speziell, da kann man nicht seinen gewohnten Rhythmus schießen. Man muss vor dem ersten Schuss einmal mehr atmen, vielleicht auch zwischendurch zweimal.

Aktuell sind Sie als Gesamtweltcup-Siebter der beste Deutsche. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Sehr. Der Einstieg in Östersund war ein bisschen holprig. Insgesamt konnte ich mich im Vergleich zum letzten Jahr aber etwas steigern. Besonders mit den drei Weltcups im Januar bin ich schon zufrieden.

In der Vergangenheit war der Schießstand der neuralgische Punkt bei Ihnen. Was haben Sie in der laufenden Saison verändert, dass sowohl beim Liegend-, wie auch dem Stehendanschlag inzwischen mehr Konstanz herauskommt?

Soviel habe ich gar nicht geändert. Ich denke, ich habe inzwischen viele Weltcuprennen absolviert und dabei auch viel Erfahrung gesammelt. So konnte ich die Nervosität am Schießstand ablegen und mich inzwischen besser konzentrieren. Das Sommertraining war immer gleich.

Zuletzt haben Sie in Slowenien mit Rang zwei im Massenstart ein Ausrufezeichen gesetzt, dabei sogar Johannes Tignes Boe und Martin Fourcade in Schach gehalten – wie schätzen Sie Ihre Medaillenchancen für Antholz ein?

Die Medaillenchancen sind vorhanden, es sind dieselben Leute am Start wie im Weltcup. Ich muss aber ein perfektes Rennen machen, und das Skimaterial muss stimmen.

Gemeinsam mit Roman Rees vom SV Schauinsland haben Sie bei der vergangenen Weltmeisterschaft in Östersund Staffel-Silber gewonnen. Diesmal wurde der gebürtige Freiburger nicht für die Titelkämpfe 2020 nominiert. Fühlen Sie mit ihrem Schwarzwälder Trainingskollegen?

Es ist schon schade für ihn, weil er gute Wettkämpfe gezeigt hat. Man muss aber auch sehen, dass es um den sechsten Platz im WM-Kader ging: Dies bedeutet, für die meisten Rennen ist er der zweite Ersatzmann mit relativ geringen Chancen auf einen Einsatz. Da ist es manchmal besser, im IBU-Cup zu laufen, statt zwei Wochen ohne Einsatz zu sein.

2017 in Hochfilzen haben Sie Ihre erste Einzelmedaille gewonnen, weitere Medaillen sind bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hinzugekommen. Gibt es ein konkretes Ziel für Antholz?

Ja, eine Medaille in der Staffel ist ein realistisches Ziel. Mit Blick auf die Einzelmedaille will ich einfach gute Rennen machen – was dann dabei rauskommt, wird sich zeigen. Sich auf eine Medaille zu fixieren macht mehr nervös, als dass es was bringt.

In Hochfilzen mit dabei war auch der „Benni-Doll-Fanclub“ und Ihre Eltern. Können Sie auch bei in Südtirol auf Unterstützung aus der Heimat setzen?

Meine Eltern kommen nach Antholz. Es kommen noch Freunde aus Hinterzarten, also ein paar Reisebusse werden es sicher. Somit sind viele Schwarzwälder vor Ort.
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
324 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.