Kommentar Dieter Keller zur Wirkung des Mindestlohns

Erfreuliche Entwicklung

  • Dieter Keller Foto: SWP
Über die Schere bei den Einkommen, die zwischen Gering- und Spitzenverdienern immer weiter auseinandergeht, wird gern geklagt. Jetzt zeigt sich: Der Mindestlohn hat diese Entwicklung ein Stück weit zurückgedreht, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden hat. Im Prinzip war das zu erwarten, weil die unterste Verdienstgrenze für zahlreiche Arbeitnehmer angehoben wurde. Es ist aber gut, dass sich die Theorie auch in der Praxis bestätigt.

Weniger erfreulich ist, dass der Mindestlohn offenbar immer noch zahlreichen Geringverdienern vorenthalten wird. Die scheinbar genau wirkenden Zahlen des DIW sind zwar mit Vorsicht zu werten, weil viele Arbeitnehmer in der zu Grunde liegenden Umfrage ihren Stundenlohn gar nicht so genau angeben können. Es deutet sich aber zumindest an, dass unbezahlte Überstunden ein wesentlicher Grund für das Problem sind. Kein Wunder, dass sich die DIW-Forscher Abhilfe von einer genaueren Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeit erhoffen, die aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs nötig ist. Denn von sich aus werden gerade Geringverdiener selten darauf bestehen, dass Überstunden registriert und vergütet oder abgefeiert werden müssen. Und mit mehr Kontrollen durch den Zoll lässt sich das Problem nur bedingt lösen.
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
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