Wohnen – nachhaltiger und komfortabler

Im Rahmen eines Projects des AHEC, entstanden Möbel mit dem Anspruch, für Generationen zu sein.
  • Möbel zu gestalten, die nachhaltig sind ist das Ziel des Legacy-Projects Fotos: Petr Krejci/Courtesy of AHEC/dpa-mag
  • Einfach, natürlich und nachhaltig.

Nachhaltigkeit, da war doch was! Was manche den Greta-Effekt nennen, hat auch Auswirkungen auf die Einrichtungsbranche. Die hat endlich eine Chance, etwas an den Mann zu bringen, was sie seit Jahren massiv vorantreibt: nachhaltiger und umweltbewusster produzierte Möbel. Auch die internationale Möbelmesse IMM Cologne hat diesen viel Platz eingeräumt.

Viele Hersteller haben längst solche Möbel im Programm. Doch bislang war Nachhaltigkeit oft kein Kaufargument. Und meist kommen nachhaltige Produkte nur für finanzstärkere Käufergruppen infrage. So gilt, was auch die Ernährungsbranche plagt: Bio, umweltbewusst und nachhaltig muss man sich leisten können.

Doch das ändert sich nun verstärkt. Denn es gibt Bewegungen wie Fridays for Future, und laut Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) ein echtes Interesse von Verbrauchern. „Die Menschen sind sich bewusst, dass nicht nur Regierungen und NGOs etwas tun müssen, sondern auch sie selbst im Privaten“, so die Möbelexpertin. „Meine These lautet daher: Wir werden eine Phase erleben, in der Nachhaltigkeit privatisiert wird.“

Sichtbares Holz kommt zurück

Geismann hat sich vor der wichtigsten deutschen Möbel-Schau umgehört, was die VDM-Mitgliedsunternehmen in Köln zeigen. Ihr Ergebnis: „Holz erlebt eine Renaissance.“

Auch die Trendanalystin Gabriela Kaiser sagt: „Der Trend zu Holz wird 2020 erst richtig ankommen.“ So werden Möbel, an denen bislang etwa nur Kleinteile aus Holz waren, zunehmend sichtbare Elemente daraus tragen. Ein Beispiel: Sofas mit einer hölzernen Rückwand. Und: „Armlehnen aus Holz sind ganz neu im Kommen“, so Kaiser.

Anleihen aus Skandinavien und Japan

Wir werden eine Phase erleben, in der Nachhaltigkeit privatisiert wird.

Ursula Geismann
Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM)

Auch die Formsprache der Möbel und die Farben der gesamten Einrichtung werden symbolisch für Nachhaltigkeit stehen, sagt IMM-Sprecher Markus Majerus. „Wir haben viel sanftes Beige und helles Braun zu sehen. Auch Blau ist ein Riesenthema“, zählt der Trendexperte auf. „Ich erwarte nun auch einen klaren Trend zum Minimalismus, wir werden in Zukunft weniger üppige Möbel sehen.“

Für diesen Stil steht in der Möbelwelt insbesondere Skandinavien. Ein weiteres Land dient laut Majerus den Designern neuerdings als Inspirationsquelle: Japan.

„Ich erwarte aber nicht, dass japanisches Design wiedererkennbar auf unseren Markt kommt“, ergänzt Majerus. „Die Designer bedienen sich nur der puristischen und minimalistischen Formsprache – kombiniert mit der Wärme, die skandinavisches Design ausstrahlt.“

altersgerechte Möbel

Mehr denn je beschäftigen sich die Möbeldesigner auch mit altersgerechten Möbeln wie verstellbaren Sesseln oder Betten mit höherem Einstieg. Bislang gab es dabei eine Hürde: Für Senioren zu bauen, galt als unsexy. Ein Designer, der sich darauf spezialisiert, konnte, so die Annahme, gar kein lifestyliges Image haben. Und so sah man bei Messen wie der IMM bislang kaum altersgerechte Möbel. „Das dreht sich nun langsam“, berichtet Geismann. Die Firmen gestalten solche Möbel heute hübscher. „Man hat endlich erkannt, dass der Geschmack sich mit 70 nicht plötzlich ändert.“

Die neuen schöneren Senioren-Möbel laufen nun auch unter einem neuen, attraktiveren Begriff: Komfort-Wohnen. „Das ist sicher etwas, was generationsübergreifend interessant ist“, sagt Geismann. Denn wer schätzt nicht einen Sessel oder ein Sofa-Element, das man mit Knopfdruck in eine bequeme Liegeposition bringen kann? dpa

© Gmünder Tagespost 14.02.2020 15:17
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