Die große Elb-Harmonie

Am Sonntag wählt die Hansestadt eine neue Bürgerschaft. Gut möglich, dass der alte Senat auch der neue ist.
  • Die beiden Spitzenkandidaten Katharina Fegebank (Grüne) und Peter Tschentscher (SPD). Foto: Christian Charisius/dpa
Um ihren schärfsten Konkurrenten anzugehen, musste sich Katharina Fegebank geradezu aufraffen. „Aber Peter, das kann doch nicht dein Ernst sein“, rief die Grünen-Politikerin dem Hamburger Bürgermeister Tschentscher (SPD) diese Woche im TV-Duell zu und beklagte dann, Tschentschers Ideen zur Mobilität in der Hansestadt seien doch „eins zu eins“ von den Grünen abgeschrieben. Unterschiede in der Sache schien es nur wenige zu geben. Inhaltlich herrschte große Harmonie.

Hamburg wählt an diesem Sonntag eine neue Bürgerschaft. Lange sah es zwar so aus, als könnte Wissenschaftssenatorin Fegebank ihrem Chef den ersten Platz streitig machen. Doch das scheint vorbei zu sein. In jüngsten Umfragen liegt die SPD trotz großer Verluste immer noch zweistellig vor den Grünen. Nicht einmal der Verdacht, dass die Hamburger Finanzbehörde eine millionenschwere Steuerschuld aus Cum-Ex-Geschäften verjähren ließ, scheint den Sozialdemokraten zu schaden. Fegebank verlangt zwar Aufklärung, macht sich aber die Vorwürfe Richtung SPD nicht zu eigen. Geschuldet war die Harmonie natürlich auch der Tatsache, dass die CDU zum TV-Duell der Spitzenkandidaten gar nicht erst eingeladen war. Marcus Weinberg hat sich zwar reingehängt und versucht, die CDU als moderne Großstadtpartei aufzustellen. Sie erreicht im Moment trotzdem nur um die zwölf Prozent. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit Kriegsende in der sozialdemokratischen Hochburg. Doch die Bundes-CDU hat derzeit andere Sorgen: Die offene Führungsfrage zum Beispiel.

Das ist einerseits eine gute Nachricht für Weinberg: Die erwartete Schlappe am Sonntag ist längst eingepreist. Andererseits sind das Chaos in Thüringen und das Durcheinander bei der Chef-Suche das letzte, was die Wahlkämpfer um Weinberg gebrauchen können. Die Hamburg-CDU und ihr Spitzenkandidat werden also nicht allein schuld sein, wenn die Christdemokraten an der Elbe weder Juniorpartner der SPD noch der Grünen werden sollten. Rechnerisch reicht es derzeit nicht für Grün-Schwarz. Und auf Rot-Schwarz hat Peter Tschentscher keine Lust. Gleich zweimal sagte der SPD-Mann im TV-Duell, dass eine Fortführung von Rot-Grün für ihn eine „sehr, sehr naheliegende Option ist“. Es gibt keinen Grund, nach der Wahl nicht einfach so weiterzumachen wie vorher. mpu/eha
© Südwest Presse 22.02.2020 07:45
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