Lesermeinung

Nach den Ereignissen von Hanau:

Das abscheuliche Gewaltverbrechen von Hanau mit über 10 Todesopfer zwingt uns alle zu fragen: Tun Deutschland und der Rechtsstaat genug im Kampf gegen Rechts? Und hat die Politik zu lange nur die islamistischen Gewalttäter in den Blick genommen und dabei den Rechtsextremismus verharmlost und folglich erst zu seiner heutigen Größe anwachsen lassen? Fakt ist doch, dass uns die Entwicklung der vergangenen Jahre Sorgen machen muss. Denn seit der Flüchtlingskrise ist doch die Zahl derer, die ihre rechtsextreme Gesinnung offen zeigen, deutlich gestiegen. Aber erst jetzt, nach vielen vertanen Jahren, reagierte Innenminister Seehofer und verspricht eine Politik der harten Hand. Für mich hat er dazu allen Grund: Schließlich zielen die Angriffe der Rechten immer auch auf den Rechtsstaat und damit auf unsere Demokratie. Daher sage ich sehr deutlich: Diese unsere Demokratie wehrhaft zu verteidigen, ist doch wohl eine der wichtigsten Aufgaben eines Innenministers.

Ja, der Staat muss hier ein deutliches Stoppschild zeigen. Aber auch die Gesellschaft ist in ihrer ganzen Breite gefordert. Denn Hass gedeiht doch dort besonders gut, wo er auf fruchtbaren Boden fällt. Ja, wo Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit wieder salonfähig werden, wo Gewalt gegen Politiker als legitimes Mittel des Protestes betrachtet wird, wo Respekt vor Andersdenkenden längst einem zermürbenden Hass gewichen ist. Überall dort fühlen sich Rechtsextremisten als Helden, die mutig das umsetzen, was die

Mehrheit doch angeblich wirklich denkt. Und das heißt für mich aber auch: Wer bei Stammtisch-Parolen schweigt, nährt diese Haltung, und genau das ist brandgefährlich. Ich hoffe mit vielen, dass die traurige Episode von Hanau uns alle dazu führt, das Bewusstsein im Widerstand gegen Demagogen zu schärfen.

© Gmünder Tagespost 24.02.2020 20:50
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Kommentare

Christine Fuchs

Hallo Herr Maier, von Ihnen als ehemaliger Bürgermeister hätte ich doch zu den Vorgängen in Hanau mehr Besonnenheit und Zurückhaltung bei der Schuldzuweisung erwartet. Weshalb dieser Hass auf Andersdenkende, schärfere Überwachung durch den Verfassungsschutz und dringende Massnahmen durch Innenminister Seehofer ? Sind Sie jetzt sehr enttäuscht, dass es sich bei diesem Täter nur um einen armen irren Einzelkämpfer mit deutscher Staatsangehörigkeit und marokkanischen Wurzeln gehandelt hat ? Der Name wurde bewusst nicht erwähnt, denn man hätte sofort auf die Herkunft schliessen können. Nach über 1 Woche liest und hört man auch nichts mehr. Aber Frau Merkel war diesmal schon nach paar Stunden am Tatort um den Angehörigen ihr Beileid aus zu sprechen. In Berlin mussten die Angehörigen über 1 Jahr warten. 

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