Lesermeinung

Zum Artikel „Ich will keine Angst haben“, SP vom 28.02.2020

Liebe Mitbürger, Migranten aller Konfessionen und Herkunftsländer: Anschläge auf Menschen sind immer zu verurteilen, egal in welchem Land. Dass uns alle die scheußliche Tat eines Geistesgestörten in Hanau sowie Anschläge, Attentate der vergangenen Jahre von politisch, religiös, rassistischen Fanatikern beunruhigt, ist verständlich. Wir Demokraten sollten daher wachsam sein gegenüber fehlgeleitenden Mitmenschen, egal aus welchen Motiven sie ihren Hass in Deutschland oder der Welt ausleben. Leider werden wir Deutschen bzw. die Nachkriegsgenerationen jetzt wieder vermehrt pauschal als ausländerfeindlich dargestellt und empfunden. Als Beispiel schildern Schüler im obigen Beitrag Erfahrungen. Ein Zitat: Ein Lehrer habe Schüler mit türkischen Wurzeln in einer Politikstunde aufgefordert, den Raum zu verlassen, sollten Sie hinter Präsident Erdogan stehen. Keine gute Entscheidung. Hätte er in einer Diskussion besser den Unterschied der Meinungsfreiheit bei uns und in der Türkei und vielen Diktaturen erklärt.

Wenn türkische/deutsche Mitbürger Erdogan ohne Kritik an seiner Rechtsstaatlichkeit Treue schwören, ist das auch nicht gerade unserem Demokratieverständnis förderlich bzw. integrationsfreudig. Noch eine Aussage einer Schülerin: 'Man hat manchmal dass Gefühl, ganz Europa ist gegen Muslime.' Ich habe auch das unangenehme Gefühl, alle Deutschen werden immer mehr dem Verdacht ausgesetzt, rechtsradikal, ausländerfeindlich und Nazis zu sein. Solche Vorurteile, die gezielte Panikmache von Personengruppen, Angstmacherei vor Fanatikern nützen keinem. Passen wir gemeinsam auf unsere Demokratie auf. Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen. Trauen wir uns wieder mehr, gemeinsam Probleme vorurteilslos ohne Diffamierungen anzusprechen und gewaltfrei miteinander zu lösen. Wir schaffen das!

© Gmünder Tagespost 28.02.2020 21:19
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Lasttime

Ihre Worte:"Solche Vorurteile, die gezielte Panikmache von Personengruppen, Angstmacherei vor Fanatikern nützen keinem. Passen wir gemeinsam auf unsere Demokratie auf. Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen. Trauen wir uns wieder mehr, gemeinsam Probleme vorurteilslos ohne Diffamierungen anzusprechen und gewaltfrei miteinander zu lösen. Wir schaffen das"

Geehrter Herr Schlaak, 

genau dies tun wir schon seit Jahren. Seit genau diesem Jahr in dem Frau Merkel den Spruch "Wir schaffen das" als Lösung präsentierte. Lang, lang ists her. In der Zwischenzeit wissen wir: Wir schaffen das nicht!

Die Frage für mich ist: Was ist Rassismus? Gewalt, Beschimpfungen gegen Menschen anderer Hautfarbe und anderer Religion. Was ich mich nun, ganz unbedarft und kindlich, frage: Warum ist es kein Rassismus wenn ICH, als Frau, mit weißer Hautfarbe, dem Christentum angehörend, Opfer bin? Wenn ich als Deutscher mit dem Schwert durch Andersgläubige niedergemetzelt werde? Wenn eine deutsche Frau, mit türkischen Wurzeln durch Ehrenmord stirbt? Alles abgesegnet durch Erdogan, dessen Fahne in ganz Deutschland weht und nach der ICH mich, als deutsche Frau zu richten habe, damit ich keine Angst haben muß. Das ist auch Rassismus gegen Andersgläubige, in dem Fall den Christen. Bisher wurde diese Art des Rassismus gegen Weisse, Christen, nicht gesehen. Wo bleibt unser Schutz, unsere Unterstützung? Dazu gibt es Fälle genug:

http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/selbsthilfe/krise/sexuellermissbrauch/vergewaltigung/

Die Hälfte der bei uns lebenden Türken hält Deutschland für eine Bedrohung, da sie in Ihrem Glauben eingeschränkt werden:

https://www.focus.de/finanzen/boerse/experten/demoskopen-vermessen-die-politische-stimmung-am-bosporus-fast-die-haelfte-der-tuerken-haelt-deutschland-fuer-eine-bedrohung_id_11609251.html

Wie soll es weitergehen? Was wird auf uns zukommen? Wieviel müssen, sollen wir uns noch anpassen? Diese Frage beschäftigt mich sehr. Deshalb bin ich wachsam.

grünspecht

Die Hälfte der bei uns lebenden Türken hält Deutschland für eine Bedrohung, da sie in Ihrem Glauben eingeschränkt werden:

https://www.focus.de/finanzen/boerse/experten/demoskopen-vermessen-die-politische-stimmung-am-bosporus-fast-die-haelfte-der-tuerken-haelt-deutschland-fuer-eine-bedrohung_id_11609251.html

Wie soll es weitergehen? Was wird auf uns zukommen? Wieviel müssen, sollen wir uns noch anpassen? Diese Frage beschäftigt mich sehr. Deshalb bin ich wachsam.

Eine kleine, (bewusst?) irreführende Ungenauigkeit lässt mich an der Lauterkeit von Lasttime dann doch sehr zweifeln: Der Artikel von Focus Money online, zu dem der Link führt, berichtet über Umfragen in der Türkei und mit keinem Wort über bei uns lebende, türkische oder türkisch-stämmige Mitbürger. Für mich entsteht hier der Eindruck, als wolle Lasttime die Leser tatsächlich linken. 

Frieder Kohler

„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von Peter Handke ist eine spröde Krankengeschichte über die schizophrene Diskrepanz zwischen dem Innenleben des Protagonisten und der von ihm beobachteten Außenwelt.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Handke_tormann_elfmeter.htm  (c) Dieter Wunderlich

Weiterlesen lohnt, Angst und Bange machen zur Zeit nicht nur die kleinen Leute (wir) mit "Macken", sondern die sog. Mächtigen (die Namen sind täglich in den Medien). Zu erinnern ist jedoch, dass "die zivile Republik nicht durch Appelle, Aufrufe oder Bücher verteidigt wird, sondern durch das Verhalten seiner Bürger". Doch auch diese Worte sind mit dem letzten Buchstaben bereits vom Winde verweht. Traurig, aber wahr?!

Frieder Kohler

Frieder Kohler schrieb am 02.03.2020 um 11:01

„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von Peter Handke ist eine spröde Krankengeschichte über die schizophrene Diskrepanz zwischen dem Innenleben des Protagonisten und der von ihm beobachteten Außenwelt.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Handke_tormann_elfmeter.htm  (c) Dieter Wunderlich

Weiterlesen lohnt, Angst und Bange machen zur Zeit nicht nur die kleinen Leute (wir) mit "Macken", sondern die sog. Mächtigen (die Namen sind täglich in den Medien). Zu erinnern ist jedoch, dass "die zivile Republik nicht durch Appelle, Aufrufe oder Bücher verteidigt wird, sondern durch das Verhalten seiner Bürger". Doch auch diese Worte sind mit dem letzten Buchstaben bereits vom Winde verweht. Traurig, aber wahr?!

Zur Windrichtung : https://www.schwaebische-post.de/1872257/ !

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