Kanada – Forelle auf Eis

Die Bewohner Kanadas haben ihre eigenen Fangmethoden für frischen Fisch entwickelt.
  • Die Lage der Orte innerhalb Kanadas. Karte: Tourism Industry Association of Ontario

Dick eingemummelt starren die Fischer in der kanadischen Provinz Ontario auf dem vereisten See in ein gebohrtes Loch. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Unser Autor hat sich in die Geheimnisse des Eisangelns einweihen lassen.

Neujahrskater? Keine Zeit! Sagen jedenfalls Ontarios Eisfischer. Denn am 1. Januar geht die Forellensaison los an vielen der etwa 250 000 Seen der Provinz. Sie gilt als „Hardwater Heaven“, also als Paradies für alle, die durchs vielerorts 50 Zentimeter dicke, hart gefrorene Wasser ein Loch bohren und ihre Angelrute reinhalten.

Zum Beispiel am Lake of the Woods, 1800 Kilometer nordwestlich von Toronto. Oder in der Algoma-Region nördlich von Manitoulin Island. Und natürlich am Lake Simcoe, etwa anderthalb Autostunden von Toronto entfernt. Dieser 48 Kilometer lange und 29 Kilometer breite See wird auch „Ice Fishing Capitol of Canada“ genannt.

41 meter tiefe

Das Paradies für Eisfischer misst an der tiefsten Stelle 41 Meter. Doch bei geeigneten Ködern verstecken sich Forelle und Flussbarsch, Maränen, Hechte und Zander nicht, sondern beißen beherzt an – auch bei Neulingen an der Rute.

Während eines winterlichen Ontario-Besuchs ist Eisangeln ein Muss und dazu ein preiswertes Hobby: Man braucht eine Angelrute, geeignete Haken und natürlich Köder. Dazu einen sogenannten Schlangenbohrer, um das Loch ins Eis zu drehen, einen Klapphocker und ein „Ice Shack“. Diese auch „Ice Shanties“ genannten kleinen Hütten schützen ein wenig vor oft schneidendem Wind sowie grimmiger Kälte und können gemietet werden. Die Zelt-Versionen mit Planen über einem Gestänge sind die einfachsten Shacks – nicht besonders windresistent.

Die an Bauwagen auf Kufen erinnernden Varianten sind da schon robuster: Eine Wellblechhütte auf hölzernen Schienen, nicht selten mit einer Deichsel, sodass sie vom Snowmobil über das Eis gezogen werden kann. Vorausgesetzt, die Unterkunft ist nicht nach mehrwöchiger Standzeit auf dem Eis festgefroren.

genehmigung ist pflicht

Bevor man – auch als Ontario-Reisender – den Drillbohrer ins Eis treiben und seine Angelrute reinhängen darf, muss unbedingt eine Genehmigung her. Sie besteht aus der „Outdoor Card“ und einer Lizenz zum Eisfischen. Jede kostet zwei Kanadische Dollar (ungefähr 1,40 Euro).

Auf dem Eis sind dann noch ein paar einfache Regeln zu beachten: Niemals weiter als 60 Meter vom aufgestellten Klappstuhl oder der ins Loch gehängten Rute entfernen. Von keiner Seite darf die Sicht auf eine im Wasser hängende Angel versperrt sein, damit niemand hineinläuft, sich in der Angelschnur verheddert und stürzt.

wetter ist unberechenbar

Und vor der Fahrt aufs Eis unbedingt genau die Wettervorhersage studieren. Strahlender Sonnenschein am Morgen kann schnell umschlagen in Wind und Schneegestöber! Darum immer warm genug einpacken.

Eisangel-Anfänger sollten bei den ersten Versuchen unbedingt einen Guide engagieren. In den auch während der Saison geöffneten Lodges und Resorts bieten Fremdenführer ihre Dienste an, es gibt aber auch unabhängige, die man ebenfalls tageweise anheuern kann. Nach dem Ice Fishing und der Fahrt mit dem Schneemobil zurück wartet in den besser ausgestatteten Lodges nicht selten eine Sauna zum Aufwärmen. Wenn sich darin die Eisangel-Crew vom Tage versammelt, füllt nach jedem Aufguss garantiert nicht nur viel Dampf die Bretterbude, sondern auch jede Menge Anglerlatein aus den vergangenen Jahren.

Wiederholungstäter unter den winterlichen Ontario-Besuchern machen gern mit bei Ice-Fishing-Wettbewerben wie dem seit 1991 im Örtchen Wawa stattfindenden. Bis zu 1400 Teilnehmer versuchen, den dicksten Fisch aus dem Eisloch zu ziehen, und hoffen darauf, ihr nicht ganz preiswertes Startgeld von 145 Dollar (99 Euro) in einen der Gewinne im Gesamtwert von 140 000 Dollar (96 000 Euro) zu verwandeln. Wer – wie James Smedley – eine Fünf-Kilo-Forelle aus dem Eisloch zieht, der wird dafür schon mal mit einem nagelneuen Schneemobil oder auf den nachfolgenden Plätzen mit Kettensägen und anderen nützlichen Utensilien belohnt, die das Leben in den Wäldern Ontarios zweifelsohne nachhaltig erleichtern. Stephan Brünjes

© Gmünder Tagespost 20.03.2020 14:21
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