Corona-Krise – Urlaub fällt aus

Wie sich bereits gebuchte Reisen nun stornieren lassen und was es dabei zu beachten gibt.
  • Beim internationalen Luft- und Reiseverkehr muss laut Experten mit weiteren Einschränkungen gerechnet werden. Foto: David Young/dpa

Viele Deutsche dürften bis zuletzt die Hoffnung gehabt haben, in den Osterferien verreisen zu können. Doch durch die dramatische Verschärfung der Coronakrise kommen nun praktisch alle Urlaubspläne komplett zum Erliegen. Inzwischen erscheint es sogar fraglich, ob man überhaupt noch innerhalb Deutschlands verreisen kann: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben in dieser Woche ihre Touristengebiete generell abgesperrt. Schwimmbäder sind bundesweit geschlossen, Konzerte bis weit in den Sommer hinein abgesagt. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Kann  ich  überhaupt  noch verreisen?

Die jüngsten Entwicklungen haben das fast unmöglich gemacht. Am vergangenen Montag wurde ein Beschluss von Bundesregierung und Bundesländern bekannt, dass Übernachtungsangebote in Deutschland nur noch zu „notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken“ zur Verfügung stehen dürfen. Damit sind Urlaubsreisen auch im eigenen Land mit Übernachtungen zum Beispiel in Hotels nicht mehr machbar. Wie lange diese Situation so bleiben wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Die Inseln der Nord- und Ostsee zum Beispiel wurden für sämtliche Touristen bereits gesperrt. Dutzende andere Länder weltweit lassen vorerst keine Deutschen mehr einreisen. Auch mehrere Nachbarländer haben ihre Grenzen für Ausländer geschlossen.

reisebetrieb  ist fast  überall  eingestellt

Große Reiseveranstalter wie Tui und FTI haben ihren Reisebetrieb im März weitgehend eingestellt, Fluggesellschaften haben ihre Flugpläne drastisch zusammengestrichen.

Inwieweit Veranstalterreisen in den Osterferien stattfinden könnten, lasse sich derzeit nicht verlässlich beantworten, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Eine generelle Absage aller Veranstalterreisen über Ostern gebe es aktuell nicht. Die Situation entwickele sich aber dynamisch. Änderten sich die Gegebenheiten, würde auch Entscheidungen neu gefällt.

Die Bundesregierung rät derzeit von allen nicht notwendigen Reisen ins Ausland ab. Mit weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern ist zu rechnen, wie es beim Auswärtigen Amtes (AA) heißt. „Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit sehr hoch.“

Änderungen der Einreise- und Quarantänevorschriften erfolgten teils ohne Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung. „Überprüfen Sie kritisch, ob Ihre geplante Reise ins Ausland derzeit wirklich notwendig ist oder nicht verschoben werden kann“, rät das Auswärtige Amt.

Nach Ansicht von Gesundheitsexperten kommt es derzeit vor allem darauf an, Sozialkontakte möglichst zu vermeiden. Nur so lässt sich die weitere Ausbreitung des Coronavirus noch eindämmen. Es ist wahrscheinlich, dass dies auch mit Blick auf Ostern noch gelten wird.

Bekomme  ich das Geld für meinen urlaub zurück?

Pauschalurlauber bekommen das angezahlte Geld zurück, wenn der Veranstalter die Reise absagt. Ein zusätzlicher Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden steht Reisenden nicht zu. Auch wenn eine Fluggesellschaft einen Flug ersatzlos streicht, muss sie den Ticketpreis erstatten. Zudem bieten die Airlines derzeit großzügige Kulanzregelungen für Umbuchungen auf einen späteren Termin.

Bei individuellen Buchungen von Hotels oder Ferienwohnungen gilt: „Kann ich das Ziel überhaupt nicht erreichen, bekomme ich das Geld zurück“, erklärt die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Kanzlei Karimi in Berlin. Dies gilt für Reisen ins Ausland ebenso wie für Buchungen an Orten innerhalb Deutschlands.

Es könne jedoch manchmal zu Streitigkeiten kommen: „Urlauber müssen sich darauf einstellen, dass der Eigentümer nicht immer sofort das Geld zurückzahlt.“

deutsche bahn ist kulant

Die Deutsche Bahn erklärte sich sehr kulant: So sind die Zugbindungen auf Tickets generell aufgehoben, Fahrkarten für die Reisemonate März und April seien bis zum 30. Juni gültig, könnten aber auch kostenlos storniert werden. Bahnreisen können also problemlos verschoben werden.

Diese Regelung gilt jedoch nicht für Fahrkarten, die erst nach dem 13.  März ausgestellt und verkauft worden sind.

Hotelbuchungen in Deutschland

Juristin Fischer-Volk rät dazu, eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt oder einen Gutschein auszuhandeln. „Ein Gutschein ist besser, weil man sich dann nicht schon wieder auf einen festen Termin festlegen muss.“ Sie gibt aber auch zu bedenken: „Wenn das Hotel irgendwann in finanzielle Schwierigkeiten käme, geht der Gutschein in der Insolvenzmasse auf. Das Geld ist dann zumeist weg.“

Urlauber sollten sich allerdings auch klarmachen, dass die Situation absolut außergewöhnlich ist: „In diesen Zeiten, wo alle von der Coronakrise betroffen sind, sollte man keine unrealistischen Vorstellungen haben, was die Durchsetzung von Reiserechten betrifft“, sagt Fischer-Volk. „Alle Seiten müssen mit großen Verlusten rechnen. Kaum jemand wird von Einbußen verschont bleiben.“ Für viele Unternehmen in der Reisebranche kann die derzeitige Situation durchaus existenzbedrohend werden. dpa

© Gmünder Tagespost 20.03.2020 14:21
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