Kommentar Rolf Obertreis zur Lockerung der Regeln für Banken

Nicht zu rechtfertigen

  • Rolf Obertreis Foto: Volkmar Könneke
Waghalsige Aktiviäten von Großbanken stürzten die Welt 2008/2009 in die Finanzkrise. Nur auf Druck der Finanzaufsicht Bafin stockten die Geldhäuser später Kapital und Rücklagen deutlich auf, um weniger anfällig für eine Krise zu sein. Seither gab es viel Unmut in der Branche über die angeblich zu strengen Regeln. Dass die Aufseher Kritik durchaus aufnehmen, haben sie bereits gezeigt. Jetzt entlasten Bafin und Bundesbank die Geldhäuser dort, wo keine Probleme für die Finanzstabilität drohen, damit diese weiter Kredite an kleinere Firmen vergeben können. Diese Flexibilität ist gut.

Jedoch sprechen die Aufseher klare Empfehlungen aus: keine Rückkäufe von Aktien sowie eine sorgfältige Abwägung, ob Dividenden, Gewinne und Boni in dieser Phase der Unsicherheit über die weitere Entwicklung gezahlt werden müssen. Mit den Kapitalressourcen solle sorgfältig umgegangen werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr als fragwürdig, dass die beiden deutschen Großbanken vor wenigen Tagen – in einem Fall trotz eines Verlustes in Milliardenhöhe – mehr als 1,5 Milliarden Euro an ihre Vorstände und an tausende von Beschäftigten ausgezahlt haben – auch wenn die Summen deutlich geringer ausgefallen sind als für 2018. Das alles mag rechtlich einwandfrei sein. Moralisch zu rechtfertigen ist das nicht.
© Südwest Presse 25.03.2020 07:45
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