Kommen nun Corona-Bonds?

Eine Rezession als Folge der Virus-Krise alarmiert die Eurostaaten. Diskutiert wird die gemeinsame Aufnahme von Krediten.
Droht nach der Corona-Krise die nächste Finanzkrise? Um das zu verhindern, fordern immer mehr EU-Länder und Ökonomen ein gemeinsames Vorgehen der EU. Werden nun alle Tabus gebrochen und kommen die Corona-Bonds?

Was genau ist ein Corona-Bond? Das gleiche wie ein Euro-Bond? „Die Corona-Bonds sind eine Anleihe, mit denen die Euro-Staaten gemeinsam die Kosten der Corona-Krise finanzieren würden. Sie würden gemeinsam einen Kredit aufnehmen und die Kosten auf die Länder aufteilen“, sagt Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Die Corona-Bonds sind ein kurzfristiges Mittel zur Finanzierung der aktuellen Krise, „es geht nicht um eine generelle Änderung der Finanzierungsstruktur der Europäischen Union“, sagt Gerhard Schick, von der Bürgerbewegung Finanzwende. Damit unterscheiden sie sich maßgeblich von Euro-Bonds.

Könnten auch Privatanleger Corona-Bonds kaufen? „Jeder könnte Corona-Bonds kaufen, das ist wie eine Bundesanleihe, nur dass sie anders heißt“, sagt Gerhard Schick. Die Bonds wären frei handelbar. Das Wertpapier könnte man, wie viele andere Anteile auch, über einen Broker erwerben, genauso wie das heute bei Staats- und Unternehmensanleihen gemacht wird. Das sei ein langfristiges Investment. Das Interesse von Großinvestoren und von Banken sei enorm, sie würden die Bonds „mit Begeisterung kaufen“, sagt Christoph Trebesch vom Kieler Weltwirtschaftsinstitut.

Wer oder welches Land würde von möglichen Corona-Bonds profitieren? „Alle! Das Entscheidende ist, dass die EU ein Signal sendet. Nicht nur China und die USA retten ihre Wirtschaft, sondern auch die EU tritt als einheitliches Europa auf. Das ist wichtig“, sagt Trebesch. Wenn die Länder der Eurozone nun einzelne Rettungsmaßnahmen auflegen und Geld am Markt aufnehmen, dann sei die Gefahr einer erneuten Eurokrise sehr hoch. So wie 2000/2009, damals haben sich die Südländer massiv selbst verschuldet, mit der Folge, dass es 2010 bis 2012 zu einer massiven Eurozonenkrise gekommen ist. „Wenn Italien oder andere jetzt ins Rutschen kommen, dann gerät die gesamte EU in Gefahr und darauf warten die Spekulanten bereits“, sagt Schick. Deshalb müsse die EU Geldabflüsse aus Europa zugunsten Chinas und der USA verhindern.

Reicht es nicht, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen aufkauft? „In diesem Fall nicht. Es gilt jetzt darum, proaktiv zu sein. Jetzt ist auch die Politik gefordert“, sagt Trebesch. Die EZB habe ihren Teil getan. Die Regierungen müssten jetzt für die Finanzstabilität sorgen. Der Markt dürfe nicht erst derart in Panik geraten, wie das zu Zeiten der Finanzkrise der Fall war. Die Politik müsse jetzt gegenhalten und keine Zweifel aufkommen lassen, dass die EU alles unternimmt, um eine Wirtschafts- oder Finanzkrise zu verhindern. In den letzten Jahren habe sich Europa ausschließlich auf die EZB gestützt, das habe zwar funktioniert, aber zu enormen Kosten. „Eine Zentralbank kann nur Wertpapiere aufkaufen und Geld an Banken geben, das führt immer zu einer bestimmten Verteilungswirkung“, sagt Schick. Die EZB helfe Banken, Unternehmen könne sie nicht direkt helfen.

Warum sperrt sich die Bundesregierung gegen Corona-Bonds? „Es ist verständlich, dass man in normalen Zeiten sagt, jedes Land soll sich selber finanzieren, aber jetzt in der Krise ist es gefährlich, wenn die Währungsunion nicht gemeinsam auftritt“, mahnt Schick. Selbst Ökonomen, die bis jetzt Euro-Bonds strikt abgelehnt hätten, unterstützen nun die Idee der Corona-Bonds. „Bislang gibt es keine Zustimmung der Bundesregierung, dabei ist Deutschland der zentrale Veto-Player auf EU-Ebene. Es ist aber denkbar, dass sich die Meinung verschiebt“, sagt Dullien.

Am Donnerstag treffen sich die EU-Regierungschefs. Kommen die Corona-Bonds? „Ich hoffe, dass es eine geschlossene europäische Antwort gibt, das wäre im Interesse Deutschlands und Europas“, sagt Trebesch. Es sei aber zu befürchten, dass es wegen der mangelnden Unterstützung aus Deutschland, zu keiner Verständigung kommt. Aber: „Die Eurokrise kam nach der Bankenrettung von 2008/2009“, mahnt Schick. Die Staaten haben damals große Schuldenberge aufgenommen, das führte dann wenige Jahre später zur Eurokrise, das sei erneut zu befürchten.
© Südwest Presse 25.03.2020 07:45
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