So steht es um Frauen in Führungspositionen

Immer mehr Frauen finden sich hierzulande in Führungspositionen wieder. Die Anzahl der weiblichen Vorstände und Aufsichtsräte ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Trotzdem gibt es Luft nach oben: Denn noch immer sitzen in deutschen Unternehmen größtenteils Männer auf dem Chefsessel.

Wie deutsche Unternehmen von weiblichen Chefs profitieren

Dabei sind Frauen in Führungspositionen eine Bereicherung für Unternehmen. Zu der Erkenntnis, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen weiblich besetzten Chefsesseln und wirtschaftlichem Erfolg gibt, kam bereits eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey.

SAP-Chefin Jennifer Morgan oder Deutsche-Telekom-Vorständin Claudia Nemat sind zwei Beispiele von Frauen, die es in die Chefetage geschafft haben. Kirstin Schwarz geht in einer für Frauen eher untypischen Branche mit gutem Beispiel voran. Die erfolgreiche Unternehmerin ist alleinige Geschäftsführerin von Wurst- und Fleischhersteller Schwarz Cranz.

Frauenquote wirkt: Immer mehr Frauen in Führungspositionen

Eine Studie vom Verein „Frauen in die Aufsichtsräte“, kurz FidAR, zeigt, dass die Anzahl der Frauen in Führungspositionen gewachsen ist, und zwar seit dem Bundestagsbeschluss der Frauenquote im Jahr 2014.

In DAX-, MDAX-, SDAX- und im Regulierten Markt notierten Unternehmen lag der weibliche Anteil in den Aufsichtsräten im Oktober 2019 bei 31,8 Prozent. Das sind 11,9 Prozent mehr als noch im Jahr 2015. Ein ebenfalls positives Wachstum, wenn auch nur ein geringes, ist in den Vorständen zu verzeichnen. Dort stieg die Frauenquote im gleichen Zeitraum lediglich um 5,1 Prozentpunkte auf 10,1 Prozent.

Frauen vor allem in mittelständischen Unternehmen an der Spitze

Dass insbesondere mittelständische Unternehmen auf Frauen in Führungspositionen setzen, zeigt eine Untersuchung von EY. Die Beraterorganisation hat im Dezember deutschlandweit 1.500 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens 1 Milliarde Euro Umsatz befragt. Das Ergebnis: In mittelständischen Unternehmen liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 16 Prozent. Das ist laut EY im Vergleich zu börsennotierten Konzernen doppelt so viel.

Wenn es nach EY-Partnerin Elfriede Eckl geht, hat das bestimmte Gründe: „Gerade im Vergleich zu den börsennotierten Unternehmen setzen die Mittelständler stärker auf weibliche Führungskräfte und erweisen sich damit als Vorreiter, wenn es darum geht, Frauen in der Wirtschaft nach vorne zu bringen. Das hat allerdings auch viel damit zu tun, dass sie sich im Werben um Fachkräfte generell mehr einfallen lassen müssen als die oftmals größeren und damit bekannteren börsennotierten Unternehmen.“

Auch die Tatsache, dass viele mittelständische Unternehmen familiengeführt seien, spiele bei dem Ergebnis eine Rolle. Der Expertin zufolge wachsen weibliche Familienmitglieder so schon eher in die Führungsposition hinein.

Frauenquote in deutschen Unternehmen weiterhin ausbaufähig

Auch wenn die Frauenquote Wirkung zeigt, ist beim Frauenanteil in deutschen Führungsetagen noch Luft nach oben – sei es in den Aufsichtsräten oder in den Vorständen, in mittelständischen Betrieben oder großen Konzernen. Denn statistisch gesehen sind Unternehmerinnen wie Jennifer Morgan, Claudia Nemat oder Kristin Schwarz Ausnahmen. Noch immer sind die Chefsessel deutscher Unternehmen männerdominiert.

Dass es noch Handlungsbedarf gibt, findet auch Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey. Gegenüber FidAR erklärte sie: „Mit unverbindlichen Empfehlungen allein kommen wir hier offensichtlich nicht weiter. Wir sind entschlossen, den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen.”

Bildurheber: Pixabay, hamonazaryan1

© Gmünder Tagespost 26.03.2020 15:32
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