Bei Anruf Schmuck, Teddybär und Mittagstisch

Handel und Gaststätten stellen sich auf die aktuelle Lage durch die Corona-Krise ein und bieten Produkte zum Abholen an oder liefern sogar zum Kunden nach Hause.
  • Viele Händler haben auf Lieferservice umgestellt und übergeben die bestellten Waren an der Haustür. Foto: opo

Schwäbisch Gmünd. Durch Anordnung geschlossene Elektrofachgeschäfte, eingestellte Wirtshaus-Stammtische und unter Umständen sogar Quarantäne – der Corona-Virus stellt weite Teile der Bevölkerung vor neue Herausforderungen. Wie lange diese Lage noch andauern wird, ist ungewiss. Experten sehen eine Besserung inzwischen frühestens im Sommer voraus.

Auf die Situation eingestellt

Händler und Wirtsleute im Ostalbkreis haben sich daher auf die neue Situation eingestellt und sind auch hinter offiziell geschlossenen Türen weiterhin für ihre Kunden da. Viele Unternehmen liefern ihre Produkte auf Bestellung per Telefon oder E-Mail zum Kunden aus, Gastronomen bieten fertig zubereitete Speisen zum Abholen oder als Lieferservice an.

Positiv denken ist in der jetzigen Zeit gefragter denn je – Jammern macht die Situation schließlich auch nicht besser. So drastisch die persönlichen Einschnitte durch Kurzarbeit oder Quarantäne auch ausfallen, immerhin bietet diese überraschende Freizeit nun auch Gelegenheit dazu, doch endlich mal diese Dinge anzupacken, für die bisher stets die Zeit gefehlt hat. So lässt sich das romantische Candle-Light-Dinner kurzerhand vom Gasthof ins heimische Wohnzimmer verlegen – das passende Menü dazu wird vom Gasthof fertig gekocht einfach nach Hause geliefert. Für den edlen Tropfen danach und das gute Buch zum Schluss haben die örtlichen Händler ebenfalls eine Lösung parat, auch wenn sie vorübergehend keine Kunden in ihre Geschäfte lassen dürfen.

„Da bricht einiges weg“

Dagobert Hämmerer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), fordert die Kunden auf, diese Angebote anzunehmen. „Da bricht einiges weg bei den Wirtsleuten“, sagt er. Dabei sei die Gastronomie im Ostalbkreis in den vergangenen Jahren „gerade so schön im Aufschwung gewesen“. Zwar ist auch Hämmerer überzeugt, dass die Krise überwunden wird. Die Frage aber sei, wie lange dies dauere und ob die Wirte bis dahin durchhielten. Damit die Gaststättenbetreiber die lange Durststrecke überstehen, kann es auch hilfreich sein, wenn Kunden jetzt Gutscheine kaufen, die sie später in aller Ruhe einlösen können.

Service an der Haustür

Not macht bekanntlich erfinderisch: Ein Schuhgeschäft beispielsweise hat ein neues Geschäftsmodell entdeckt, wie den Kunden zu Hause vor Ort der gewohnte Service geboten werden kann. Nachdem der Kunde telefonisch mitgeteilt hat, welche Art an Schuhen in welcher Größe er benötigt, bringt der Händler nun eine Auswahl an Schuhen mit zum Kunden nach Hause, wo bequem und unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes die Auswahl erfolgen kann. So braucht sich der Kunde nicht mit Rücksendescheinen befassen und kann zugleich das lokale Geschäft unterstützen.

„Lokal bleiben!“ ist auch der große Appell anderer Einzelhändler. Modegeschäfte, Wein- und Feinkostgeschäfte, Optiker, Elektrofachgeschäfte, aber auch Spielwaren- und Schmuckläden nehmen nun Bestellungen telefonisch und per E-Mail entgegen oder versuchen, einen Online-Shop aufzubauen und liefern dann nach Hause. Sie appellieren an ihre Kunden, sich mit Internet-Einkäufen in den großen Online-Shops zurückzuhalten und wieder mit geballter Kraft vor Ort einzukaufen und essen zu gehen, sobald es möglich ist.

Für die Kunden bleibt dennoch eine Frage offen: Wie bezahlt man bei den örtlichen Geschäften die Bestellung? Einige Händler bieten inzwischen Bezahlung über Paypal oder per Überweisung an, andere liefern gegen Barzahlung bei Anlieferung. Bei den Gastronomen kann nach wie vor in bar bei Abholung bezahlt werden. Es ist auf jeden Fall ratsam, sich vorab über die Zahlungsmodalitäten telefonisch beim jeweiligen Händler oder Gastronom zu erkundigen.

Hamsterkäufe vermeiden

Übrigens, weiterhin ganz regulär geöffnet haben Getränkemärkte. Aber auch hier gibt es durch Corona-Hamsterkäufe unerwartete Probleme: Durch eine zu große Lagerhaltung von Seiten der Kunden wird das Leergut knapp. Trotz Angst vor dem Coronavirus sollten Verbraucher ihre Getränke nicht massenweise in Kammern und Kellern lagern. Die Getränke-Fachgroßhandels-Kooperation GEFAKO bittet zudem alle Kunden, das Leergut zügig wieder zurückzubringen. Wenn nicht genügend Leergut im Umlauf ist, können die Getränkehersteller nicht ausreichend abfüllen und fristgerecht Nachschub liefern. als

© Gmünder Tagespost 27.03.2020 16:30
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