Am Sonntag endet eine Fernseh-Ära

Mit der 1758. Folge "Auf Wiedersehen" verabschiedet sich die "Lindenstraße" nach 34 Jahren und vier Monaten.
  • Der erste Schwulenkuss im TV war 1990 ein Riesen-Aufreger. Foto: WDR/Diane Krüger
  • Das Lindenstraße-Logo. Foto: WDR
Fans der „Lindenstraße“ war der Sonntagabend heilig: Um punkt 18.50 Uhr saßen sie vor dem Fernseher – Woche für Woche, jahrelang. An diesem Sonntag ist Schluss. Die Fernsehprogramm-Konferenz der ARD hatte sich 2018 gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags entschieden. Das Zuschauerinteresse und die Sparzwänge seien nicht vereinbar mit den Produktionskosten, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Der Erfinder der „Lindenstraße“, Hans W. Geißendörfer, kann dies bis heute nicht nachvollziehen. „Ich habe nach wie vor totales Unverständnis für die Entscheidung, die mir willkürlich erscheint“, sagt er. „Das Ende der ,Lindenstraße' erfüllt mich mit großer Trauer.“

Als die „Lindenstraße“ am 8. Dezember 1985 in der ARD anlief, dachte wohl niemand, dass sie eine der am längsten laufenden Serien im deutschen TV werden würde. In ihren Anfangszeiten, als es erst wenige Fernsehprogramme gab, waren die Ereignisse der jüngsten Folge am nächsten Tag Gesprächsthema in Büros und auf dem Schulhof.

Gesellschaftlicher Zündstoff

Mit Tabu-Brüchen sorgte die „Lindenstraße“ immer wieder für gesellschaftlichen Zündstoff. Der legendäre Skandal-Kuss zwischen Carsten Flöter (Georg Uecker) und Robert Engel (Martin Armknecht) zum Beispiel war ein Dammbruch im deutschen Fernsehen. Die „Lindenstraße“ war auch die erste deutsche TV-Serie, die Aids thematisierte und in der zwei Schwule heirateten.

Solche Tabu-Brüche gelangen später angesichts der vielen Reality-Formate nur noch selten. Doch ihrem Anspruch, brisante Diskussionen aufzugreifen, blieb die Serie treu. In der jüngeren Vergangenheit gab es zum Beispiel längere Erzählstränge zu Flüchtlingen, Pädophilie oder die Legalisierung von Cannabis.

Wie die „Lindenstraße“ ausgehen wird, bleibt bis Sonntag eine Überraschung. Die 1758. und letzte Folge heißt „Auf Wiedersehen“. „Über das Ende haben wir uns lange die Köpfe zerbrochen“, sagt Produzentin Hana Geißendörfer, Tochter des Serienerfinders. Es sei dramaturgisch nicht leicht gewesen, alle Figuren so an einen Punkt zu bringen, dass sich die Zuschauer von ihnen verabschieden könnten. „Ich hoffe, es ist uns gelungen. Für uns fühlt es sich zumindest rund an.“ dpa
© Südwest Presse 28.03.2020 07:45
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