Klassisch

Haydn und Hosokawa

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Joseph Haydn war nicht nur der Vater der Sinfonie und des Streichquartetts. Auch die Gattung Klaviertrio hat er zur ersten Blüte geführt. Sein Trio in d-Moll Hob. XV:23 von 1795 ist ein besonders schönes Beispiel dafür. Das Oberon Trio mit Henja Semmler (Violine), Antoaneta Emanuilova (Cello), Jonathan Aner (Klavier) hat dieses Werk jetzt für das Label Cavi (im Vertrieb von Harmonia Mundi) eingespielt. „Duality“ heißt das faszinierende Album, auf dem die Musiker zwei klassisch-romantische Werke (auch das F-Dur-Trio op. 80 von Robert Schumann) zwei modernen Gattungsbeiträgen gegenüberstellen und aus dieser Begegnung gleichsam Funken schlagen. Aaron Copland komponierte seine „Vitebsk“ titulierte Studie über jüdische Themen 1929. Das Klaviertrio von Toshio Hosokawa von 2013/17 erklingt hier als Weltersteinspielung.

Was bedeutet der CD-Titel „Duality“?

Henja Semmler : Yin und Yang, These und Antithese, Streit und Versöhnung waren schon immer treibende Kräfte der Kunstgeschichte. Das Programm beleuchtet vier der spannendsten Beispiele dieser Elemente aus der Klaviertrio-Literatur. Kein Medium ist passender für diese Herausforderung: eine an sich schon heterogene Besetzung mit einer ungeraden Zahl an Musikern, die aber dennoch die seltene Fähigkeit in sich trägt zu harmonisieren und drei Wesenheiten in eine Einheit aufzunehmen.

Was bedeuten Ihnen die beiden modernen Stücke von Copland und Hosokawa?

Antoaneta Emanuilova : Neue Musik spielt bei uns eine wichtige Rolle. So haben wir Werke von Jörg Widmann, Charlotte Bray und hier nun auch von Toshio Hosokawa ersteingespielt. Für die Trios von Copland und Hosokawa auf dieser CD haben wir uns zum einen entschieden, weil sie selten gespielte Meisterwerke sind, zum anderen, weil sie hervorragend zum „Duality“-Konzept passen.

Was zeichnet die klassischen Trios von Joseph Haydn und Robert Schumann aus?

Jonathan Aner : Haydns Trio ist eines der ersten Beispiele der Doppelvariation-Form, in welcher zwei Themen einen ganzen Satz lang kontrastierend einander gegenübergestellt werden. Schumanns Trio veranschaulicht die Polarität zwischen Florestan und Eusebius, zwischen Extravaganz und Intimität, den schmalen Grat zwischen Frohsinn und Frustration. Während er sowohl Mendelssohn zitiert als auch seine eigenen Vertonungen von Eichendorff und Heine, schmiedet er aus einer reichen kulturellen Palette ein wahres Meisterwerk.

Burkhard Schäfer
© Südwest Presse 01.04.2020 07:45
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