Lesermeinungen

Psychoterror durch die Medien?

Zur Corona-Krise:

Viele meiner Freunde und Bekannten gehören zu der Gruppe der besonders Gefährdeten in Zeiten von Corona, das heißt [sie sind] 70 plus. Uns ist diese besondere Gefahr durch zahlreiche Berichte in den Medien sehr bewusst und wir agieren deshalb sehr vorsichtig und halten alle Vorgaben penibel ein. Was es aber für alle alleinstehenden älteren Leute bedeutet, von allen sozialen Kontakten abgeschnitten zu sein und nur noch über Telefon und Skype kommunizieren zu können, können sich vielleicht viele, die in einem Partner- oder Familienverband leben, nicht vorstellen. Die einzige Abwechslung oder die Möglichkeit, einen Ersatz für die fehlenden Kontakte zu finden, ist dann das Fernsehprogramm oder die Zeitung. Nichts gegen sachliche Information, aber mit reißerischen Überschriften in der Zeitung oder mit nicht enden wollenden Sondersendungen im Fernsehen wird nur noch Panik in dieser Altersgruppe geschürt.
Wie soll man denn damit umgehen, wenn es in einer Zeitungsüberschrift heißt, ab 80 wird nicht mehr beatmet, wenn man eine Unterhaltungssendung anschauen will, stattdessen wird ein Extraspezial gesendet. Dort werden dann jeden Abend beatmete Patienten und Särge gezeigt, die in Massen abtransportiert werden, obwohl es in Deutschland diese Szenarien gar nicht gibt. Im Gegenteil, wir nehmen löblicherweise Patienten aus dem Ausland auf. Diese Sendungen muss man dann wohl oder übel durchstehen, denn man weiß ja nicht, wann die eigentliche Sendung beginnt. So steht man Tag für Tag im „Dauerbeschuss“, die Angst steigt, die Immunabwehr sinkt dabei, wie bekannt, auf Null.
Eine Freundin von mir, die auch alleinstehend ist, meint, so treibe man die alten Menschen in den Suizid. Vielleicht sollten die Medien sich mehr ihrer Verantwortung bewusst sein und nicht nur auf Einschaltquoten und Absatzzahlen schauen!

© Gmünder Tagespost 01.04.2020 17:55
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Kommentare

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Hallo Frau Kieschnick-Baron,

die besonders Gefährdeten sind nicht nur die älteren Menschen, da sie Vorerkrankungen haben und deshalb die Todesrate höher ist. Wie jetzt in einem Altenheim mit vielen Todesfällen passiert. Infiziert wurden sie durch das Pflegepersonal oder Besucher.

Hier eine Statistik der Erkrankten nach Alter, an der man sehen kann, daß die Meisterkrankten in der Altersgruppe 15 - 59 Jahre zu finden sind, sogar Kinder sind dabei.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1103904/umfrage/corona-infektionen-covid-19-in-deutschland-nach-altersgruppe/

Es gibt vom Robert-Koch-Institut auch eine Statistik zu den Altersgruppen, die das Gleiche sagt.

Diese alle, Kinder, Jugendliche... sind, genauso wie die alten Menschen, vom Leben abgeschnitten, aber es wird ihnen sicher schwerer fallen!

Was mich selbst an aller Berichterstattung in den Medien und auch an Ihrem Leserbrief stört ist, daß dargestellt wird: Man macht den ganzen Schutz, die Masken, die Vorsichtsmaßnahmen wegen den alten Menschen, die nicht sterben sollen. Ganz Deutschland muß nun auf die "Senioren" Rücksicht nehmen? Dem ist nicht so!

Nein - die gefährdete Gruppe zwischen 15 und 59 hat zum Teil auch Vorerkrankungen und ist DIE Gruppe, die sich auch Sorgen machen muss, auch wenn sie denkt, sie ist so stark. Wir ALLE bleiben dann zuhause, auch die Jüngeren stehen unter Dauerbeschuss und haben Angst, besonders wenn sie durch Rheuma u.a. Erkrankungen, durch Cortisoneinnahme, wenig Immunabwehr haben, junge Diabetiker...die Liste jüngerer Gefährdeter ist lang. Wir alle sind abgeschnitten von der Welt. Die Kinder in Quarantäne, junge Menschen, ältere, auch sie müssen lernen sich zu beschäftigen und auch mein Leben ist eingeschränkt, nichts draussen ist mehr möglich. Das ist für alle schlimm. Die Angst ob den immer neuen Nachrichten ist schrecklich.

Hoffen wir, daß wir alle, Jung und Alt, die Kraft haben durchzuhalten und den Psychoterror, da haben Sie recht, durch die Medien ohne Herzkasper auszuhalten und zu überleben. 

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