Warten auf den Rückflug oder bleiben?

Auch in Australien und Neuseeland gelten Ausgangsbeschränkungen, noch immer sitzen Deutsche dort fest. Doch nicht alle wollen zurück in die Heimat.
  • Julia Kopp (rechts) und Maike Hummel hoffen, dass sie bald von Christchurch nach Deutschland fliegen können. Foto: Privat
  • Marlene Schmid aus Herbrechtingen arbeitet als Yoga-Lehrerin im australischen Byron Bay – und möchte dort bleiben. Foto: Privat
Marlene Schmid hat noch maximal zehn Wochen Zeit. „Dann wären meine letzten Ersparnisse aufgebraucht“, sagt die 31-Jährige am Telefon. Sie ist in Herbrechtingen aufgewachsen und lebt seit zwei Jahren im australischen Byron Bay. Vor kurzem hat sie dort ihr Yoga-Studium abgeschlossen. Wegen des Coronavirus hat sie ihre Anstellung in einem Hotel verloren, Yoga-Kurse kann sie auch nicht mehr geben.

Trotz der unsicheren Situation würde Schmid gerne in Australien bleiben. Auch dort sei die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt worden. Seit dem 30. März dürfe sie nur noch mit einer weiteren Person draußen unterwegs sein, die Strände seien gesperrt. „Mein Studentenvisum läuft bis Juni. Ob ich dann ein neues bekomme, weiß ich nicht.“

Schmid habe sich gut in Australien eingelebt – finanziell abgesichert sei sie jedoch nicht. Das Visum koste 700 Australische Dollar im Monat, für ihr WG-Zimmer müsse sie 200 Australische Dollar pro Woche zahlen. Vor wenigen Tagen habe ihr die australische Regierung in einer E-Mail Unterstützung versprochen. „Ich weiß aber noch nicht, ob das wahr ist.“

„Work and travel“ nicht möglich

Im Gegensatz zu Schmid sind viele andere Deutsche bereits aus ihren Urlaubsorten oder Wahlheimaten zurückgekehrt. Julia Kopp aus Obersontheim hat das noch nicht geschafft – sie wartet noch auf einen Rückflug aus Neuseeland. Zusammen mit einer Freundin hat die 20-Jährige dort und in Australien seit Februar „work and travel“ gemacht. „Wir wollten noch bis Juli in Neuseeland bleiben, das Land entdecken und den Einheimischen bei der Ernte helfen“, schreibt sie in einer E-Mail an diese Zeitung. Letzteres ist wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht möglich.

Momentan übernachten die jungen Frauen gemeinsam mit Kopps Eltern, die zu Besuch sind, auf einem Campingplatz 20 Kilometer außerhalb von Christchurch. Zu Viert schlafen sie in einem gemieteten Campingbus. Nur für lebensnotwendige Besorgungen dürften sie das Gelände verlassen, schreibt Kopp. „Auf unserem Übernachtungsplatz sind auch viele andere Deutsche, unter anderem ein Ehepaar mit einem Baby.“ Viele Hotels und Herbergen seien entweder geschlossen oder verlangten hohe Zuschläge. Die Supermärkte verkauften ihre Ware ebenfalls teurer als üblich.

Rückholflüge wieder erlaubt

Seit dem 3. April erlaubt die neuseeländische Regierung wieder Rückholflüge. „Wir haben uns natürlich gefreut“, sagt Kopp am Telefon. Sie versteht jedoch nicht, warum die Flüge zwischenzeitlich untersagt waren. Von der deutschen Botschaft hätten sie noch keine konkreten Informationen zu einem möglichen Rückflug bekommen. Flüge ab Christchurch seien jedoch erst ab dem 6. April wieder möglich.

Auch eine Freundin von Marlene Schmid ist von Australien zurück nach Deutschland geflogen. Schmid will dagegen aus ihrer Wahlheimat Yoga-Kurse online anbieten. Auf ihrem Instagram-Profil zeigt sie schon jetzt verschiedene Übungen. „Gerade nach langen Arbeitstagen tut Yoga jedem gut.“ Sorgen um ihre Gesundheit habe sie keine. Obwohl sie für die Zukunft nicht planen könne, versuche sie, entspannt zu bleiben. „Ich genieße noch ein bisschen das Hippie-Dasein.“
© Südwest Presse 04.04.2020 07:45
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