Germanwings vor dem Aus?

Der Konzern verweigert einen Kurzarbeit-Tarifvertrag für die Tochter. Vereinigung Cockpit und Ufo sind besorgt.
  • Die Lage bei der Lufthansa und ihren Töchtern ist kritisch. Foto: Henning Kaiser/dpa
87 000 der weltweit 135 000 Beschäftigten hat Lufthansa in Kurzarbeit geschickt, 700 von 760 Jets stehen am Boden, auch 30 Flugzeuge von Germanwings. Der Konzern verhandelt mit dem Bund über Hilfspakete und eine mögliche Staatsbeteiligung. Freilich: Die rund 1400 Beschäftigten von Germanwings – 900 in der Kabine und 500 im Cockpit – beziehen weiter ihr volles Gehalt, obwohl sie nichts zu tun haben. Der Grund: Lufthansa lehnt es ab, einen bereits komplett verhandelten Tarifvertrag über Kurzarbeit bei Germanwings zu unterzeichnen.

In der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und bei der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo schüttelt man den Kopf. Der Lufthansa-Vorstand wolle offenbar die Krise nutzen, um „strukturelle Veränderungen“ durchzudrücken. Im Klartext: die Schließung von Germanwings. Und das schon im Laufe dieser Woche. Germanwings fliegt in normalen Zeiten für die Lufthansa-Tochter Eurowings, die das Billig-Segment abdeckt.

VC und Ufo richteten eine Petition und einen Appell an die Entscheidungsträger der Lufthansa. „Menschlichkeit und wirtschaftliche Vernunft sind das Gebot der Stunde.“

Prinzipiell ist der Flugbetrieb von Eurowings auf vier Gesellschaften verteilt – zwei für Langstrecken, auf Eurowings und auf Germanwings. Lufthansa will alle Betriebe bei Eurowings bündeln, um Kosten zu sparen. Man prüfe wegen der aktuell dramatisch veränderten Lage Optionen für Germanwings, sagt eine Lufthansa-Sprecherin.

Das Aus der Airline schon in dieser Woche schließen Lufthansa-Kreise allerdings aus, das sei so schnell gar nicht möglich. Noch gilt eine Vereinbarung von 2018. Damals hatte der Lufthansa-Vorstand eine Bestandsgarantie für Germanwings bis Mitte 2022 gegeben, verbunden mit der Option, dann zumindest Teile der Flotte weiter für Lufthansa zu betreiben. Beschäftigte könnten bis zu fünf Jahre bei Eurowings bleiben. Aber angesichts der Corona-Krise ist Lufthansa gezwungen, die Kosten drastisch herunterzufahren. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 07.04.2020 07:45
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