Wirtschaft am Rand

Ich hab die Haare wüst

Nach und nach, Millimeter für Millimeter, kommt derzeit die Wahrheit ans Licht. Die unfrisierte Wahrheit. Am Ansatz schiebt sich das Grau heraus, im Nacken ringeln sich die ungeliebten Locken, die Strähnchen verlieren die Schädelhaftung und scheinen haltlos auf der Haarpracht zu schweben: Seit anderthalb Wochen haben die Friseursalons geschlossen. Das Elend auf den Häuptern wird immer schlimmer, Tag für Tag.

Der Blick in den Spiegel ist so manchem Zeitgenossen unerträglich geworden. Der Friseur muss einfach spuren. Zumindest im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen werden die Frisurkünstler laut Innung unter Druck gesetzt, ja gar regelrecht bedroht. Sie werden auf der Straße angesprochen, per Telefon oder Whatsapp terrorisiert. Die Forderung: Sie sollen Hausbesuche machen und endlich, endlich dem wuchernden Graus ein Ende schneiden und färben. Angesichts des Kontaktverbots eine schlechte Idee, die zu Geldstrafen führen kann.

Manche Friseure reagieren mit Internet-Beratungen. Die Vorstellung ist schön. „Soooo ... jetzt setzen Sie die Schere da an der Seite an ... nein, um Himmels Willen, nicht die Kinder-Bastelschere! Und schon gar nicht so! Oh neeeeiiin! Zu spät. Räusper ...“. Bei manchem Problem helfen eine gehörige Portion Mut und ein Haarschneider. Oder die Haarfärbepackung aus dem Supermarkt. Wer das Pony vorne inzwischen zu lang trägt, hat derzeit sogar Glück. Das Elend ist kaum noch zu sehen unter dem Haarwust vor den Augen. Ist fast wie ein Brett vor dem Kopf. Caroline Strang
© Südwest Presse 09.04.2020 07:45
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