Museen

Corona-Krise statt Party in Manhattan

Sieben Millionen Menschen besuchen jährlich das Met in New York – aber zum 150. Geburtstag ist es zu.
Das monumentale Historiengemälde „Washington durchquert den Delaware“ zum Beispiel: Es zeigt, wie die Rebellenarmee 1776 durch den eisigen Fluss zog, um dann bei Trenton die Truppen der englischen Kolonialherren zu schlagen. Der aus Schwäbisch Gmünd stammende Emanuel Leutze malte diese Ikone der amerikanischen Nation 1851 – und sie hängt im Metropolitan Museum of Art (Met) in New York, in der Abteilung für amerikanische Malerei.

Aber es gibt noch 18 andere Abteilungen im Met, in einem der größten Kunstmuseen der Welt, das jetzt am Ostermontag seinen 150. Geburtstag feiert: eine Sammlung mit rund drei Millionen Objekten aus 5000 Jahren, von der Antike bis in die Gegenwart. 130 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, sieben Millionen Besucher pro Jahr, 2000 Mitarbeiter – und ein österreichischer Direktor seit 2018, Max Hollein, der zuvor auch lange das Frankfurter Städel-Museum leitete.

Das riesenhafte Metropolitan Museum of Art liegt an der Fith Avenue am Central Park, in Manhattans Upper East Side, und bespielt auch noch zwei Außenstellen. Es hat universalen Anspruch, zeigt unfassbare Schätze aus diversen Kulturen der Welt. Der Tempel von Dendur, griechische Skulpturen, Vermeers, Van Goghs, Waffen und Musikinstrumente. Ein Museum, in dem man sich schnell verläuft und an einem Tag nur einen Bruchteil sehen kann.

Die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag aber sind in der Corona-Krise abgesagt, das Museum ist schon lange geschlossen. Einlass finden die Besucher nicht mehr über die Freitreppe ins historische Gebäude, sondern online: über die Website Metmuseum.org sowie die Social-Media-Kampagne #MetAnywhere. So bereiteten die Kuratoren eine Auswahl an digitalen Inhalten auf. Verschiedene 360-Grad-Ansichten geben eine Ahnung davon, was live zu sehen ist. Direktor Max Hollein: „Wir hoffen, dass das Museum auch während der Schließung durch die Schönheit und das Wunder der gemeinsamen Kulturgeschichte der Welt ein gewisses Maß an Trost und Gemeinschaft bieten kann.“

Trost werden auch Hollein und seine Mitarbeiter brauchen. Das Metropolitan Museum wird bis mindestens Juli geschlossen sein und rechnet mit einem Verlust von umgerechnet rund 92 Millionen Euro. jük/kna
© Südwest Presse 11.04.2020 07:45
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