Was wird aus Hilfsangeboten der Südwest-Firmen?

Landeswirtschaftsministerin mahnt Verbindlichkeit für Hersteller von Medizinprodukten und Masken an.
Als Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am 23. März die heimische Wirtschaft bat, zur Bewältigung der Corona-Krise in die Produktion von Beatmungsgeräten und Atemschutzmasken einzusteigen, war die Resonanz riesig. 360 Angebote sind bislang eingegangen – aus Sicht des Staatsministeriums ein Riesenerfolg. Ein Resultat sei etwa ein über Porsche eingefädelter Kauf von 30 Mio. Schutzmasken aus China.

In der Wirtschaft selbst wird Kretschmanns Aktion gleichwohl mit gemischten Gefühlen betrachtet. Dass der Regierungschef seine Bitte explizit an die Teilnehmer des „Strategiedialog Automobilwirtschaft“ adressiert hatte, hat etwa in der Textilbranche Verwunderung ausgelöst.

Fürs Land eine Nummer zu groß?

Andere Firmen monieren fehlende Angaben, was in welcher Stückzahl benötigt wird. Wieder andere sehen eher Brüssel oder Berlin am Zug, wenn es um die komplexe Regelung für Medizinprodukte, die Etablierung neuer Produktionsstrukturen und die Koordination von Angebot und Nachfrage geht. Zumal das Bundesgesundheitsministerium bereits Ausschreibungen laufen hat – im Gegensatz zum Land.

„Die Aktion ist gut gemeint, die Hilfsbereitschaft unserer Mitglieder groß, aber die Abwicklung für ein einzelnes Bundesland nicht ganz einfach, sie bedarf einer bundesweiten Koordination“, sagt etwa der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württemberg, Dietrich Birk, mit Blick auf Kretschmanns Initiative.

Die „Klärung offener Fragen“ mahnt nun Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) in einem Schreiben an ihren Kabinettskollegen Manfred Lucha (Grüne) an, dem für die medizinische Versorgung zuständigen Gesundheitsminister. Für die gängigen OP-Masken etwa „fehlt unseren Unternehmen im Land eine klar geregelte und rechtlich abgesicherte Vorgehensweise“, heißt es in dem Schreiben, das der SÜDWEST PRESSE vorliegt. Ferner seien für eine unternehmerische Entscheidung „klare Daten“ notwendig, „insbesondere konkrete, möglichst tagesaktuelle Zahlen zu Bedarfen, Bestellzusagen und Auftragserteilungen durch das Sozialministerium“ für Schutzausrüstungen und analog für sonstige Medizinprodukte. Die Hersteller bräuchten „möglichst rasch verbindliche Zusagen“, mahnt Hoffmeister-Kraut zur Eile. Länder wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern würden schon „generalstabsmäßig“ in Baden-Württemberg Vliese und Textilien einkaufen „und lasten unsere Nähereien mit Großaufträgen aus“. Roland Muschel
© Südwest Presse 11.04.2020 07:45
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