Kostenexplosion beim Deutschen Museum

Millionengrab an der Isar

Die Generalrenovierung des Deutschen Museums in München kommt voran, wird aber sehr viel teurer als zunächst geplant. Auch auf dem Obersalzberg geht finanziell einiges schief.
Es ist eine Paradoxie dieser Zeit: Während die Türen des Deutschen Museums in München zugesperrt sind wie bei allen Kultur- und Bildungsstätten, wird drinnen mit Hochdruck gearbeitet. Handwerker, Ingenieure, Konstrukteure sind zugange, die Generalsanierung des 1925 eröffneten Technik- und Wissenschaftsmuseums läuft auf Hochtouren, wie Sprecher Gerrit Faust bestätigt. „Nicht vollkommen störungsfrei“, sagt er, „aber nach wie vor gut.“ Es ist ein Multi-Millionen-Bauprojekt, das aber etwas unterhalb des öffentlichen Radars vonstatten geht.

Die Generalrenovierung wird sehr viel teurer als geplant. National und international zeigte man auf die Hamburger Elbphilharmonie, deren Preis von 77 Millionen Euro auf 866 Millionen emporgeschnellt war. Gerade Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spottete einst immer wieder über den Berliner Flughafen. Die Botschaft: Im Freistaat würde so etwas nicht passieren.

745 statt 445 Millionen Euro

Das Deutsche Museum allerdings sollte ursprünglich für 445 Millionen saniert werden, begonnen worden war im Oktober 2015. Mittlerweile ist man bei 745 Millionen angelangt, halb-halb bereitgestellt von Bund und Freistaat, sowie einem kleineren Teil aus dem Museumsetat und Spenden. Immerhin steht der Eröffnungstermin weiterhin: Am 7. Mai 2025 soll das Haus vollständig wiedereröffnet werden. Bis dahin ist es – wenn nicht gerade Corona herrscht – zur Hälfte zu besichtigen, während die andere Hälfte saniert wird.

Der 7. Mai 2025 ist ein symbolhaftes Datum. Genau 100 Jahre zuvor war das Haus an den Start gegangen, und es war der 70. Geburtstag seines Begründers Oskar von Miller. Allein deshalb dürfte dieser Termin eingehalten werden, auch wenn bis dahin der eine oder andere Raum nicht fertig sein sollte und noch etliche Schrauben festzuziehen sind.

Woran liegt die Extremverteuerung, der ja eine Extrem-Verkalkulierung vorangegangen sein muss? Sprecher Faust nähert sich von verschiedenen Seiten. So nennt er etwa „die stark gestiegenen Preise durch die florierende Baukonjunktur“. Auch erwies sich der denkmalgeschützte Betonbau im Zuge der Renovierung als deutlich maroder als angenommen. Und: „Es gibt kein Vorbild für so etwas, die Ausstellung und der Bau sind eng miteinander verzahnt.“ Der Raum, in den ein tonnenschweres Flugzeug hineingestellt werden soll, braucht einen Spezialboden. Andere Exponate sind auf Starkstrom-Anschluss angewiesen. Nicht zu vergleichen ist das etwa mit einem Kunsthaus, wo sich Bilder und Skulpturen umhängen und verschieben lassen. „Bauen im Bestand in einem denkmalgeschützten Gebäude ist unglaublich kompliziert“, sagt Faust.

Das Museum hat dem leitenden Architekturbüro gekündigt, als man merkte, dass Zeitplan und realer Baufortschritt immer weiter auseinanderklafften und den kleinen die größeren Probleme folgten. Aus Kreisen des Landtags, der die zusätzlichen Finanzspritzen genehmigen musste, ist zu hören: „Es kam zu wenig und zu spät.“ Mittlerweile sind die Architekten insolvent, übernommen hat jetzt das Düsseldorfer Büro RKW Architektur. Zudem bekommt Museums-Generaldirektor Wolfgang Heckl einen kaufmännischen Direktor oder eine Direktorin an die Seite gestellt, diese Stelle ist noch nicht besetzt.

Ein ganz ähnlicher Fall, wenngleich von kleinerer Dimension, findet sich 156 Straßenkilometer südöstlich von München im Berchtesgadener Land. Dort steht seit 1999 das NS-Dokumentationszentrum Obersalzberg. Der Ort war eine wichtige private und berufliche Residenz Adolf Hitlers und des NS-Führungsstabes. Dort wurden Staatsgäste empfangen und wurde am Holocaust gearbeitet. Die Dokumentation darüber vor Ort war auf 35 000 Besucher im Jahr ausgelegt, nun sind es 170 000. Deshalb soll das Zentrum auf die vierfache Ausstellungsgröße erweitert werden und Seminarräume erhalten.

Die Neubauten sollten ursprünglich 14 Millionen Euro kosten, die Einweihung war Ende 2020 geplant. Mittlerweile ist man bei 30 Millionen angelangt – was nicht die letzte Summe sein muss. Das bayerische Bauministerium rechnet mit der Fertigstellung im Winter 2021/22. Den verschiedenen Architektur- und Planungsbüros wurde gekündigt. Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte, deren Leistungen seinen „entweder gar nicht oder schlecht erbracht“ worden. Der Rohbau steht im Wesentlichen, auch jetzt wird weiter gearbeitet, doch die Suche nach einem Nachfolgebüro läuft noch.

Zeichen gegen NS-Verklärung

Nur ziemlich ohnmächtig zuschauen kann dabei das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ), welches das Zentrum Obersalzberg inhaltlich bestückt. Für den Bau ist es nicht zuständig. Der Lernort habe immense Bedeutung gegen die auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch lange anhaltende braune Verklärung des Obersalzbergs inmitten der landschaftlich schönen Bergwelt. „Der Obersalzberg ist kein Ort wie jeder andere“, sagt Sven Keller, beim IfZ zuständig für die Dokumentation. „Es geht um die enge Verbindung zu Hitler, die vielen Propagandabilder vom Diktator im Bergidyll.“ Darüber informiere das IfZ historisch fundiert und zuverlässig. Schon weniger bekannt, aber wichtig für die Aufklärung sei auch „die enge Verbindung des Ortes mit Krieg und Massenverbrechen“.
© Südwest Presse 16.04.2020 07:45
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