Stuttgart

Aldi setzt auf Ampel-System und Zutrittskontrollen

Discounter führt die Technik des Stuttgarter Start-ups Sensalytics ein.
  • In einigen Filialen testet Aldi Ampelregelungen via Bildschirm. Foto: Sensalytics
Einer Studie der Uni Hohenheim zufolge sind innovative Start-ups von den Folgen der Corona-Krise stärker bedroht als andere Unternehmen. Denn die Kriterien für staatliche Hilfen erfüllen sie oftmals nichts. Dem Stuttgarter Start-up Sensalytics, das auf das Erfassen von Bewegungs- und Frequenzdaten spezialisiert ist, ging es nicht anders. Noch vor einigen Wochen sah es für den 15-Mann-Betrieb düster aus, alle Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, der Fortbestand war unsicher.

Dann kam Aldi Süd. Wie andere Supermarktbetreiber will die Discount-Kette in der Corona-Krise die Zahl der Kunden in ihren Filialen begrenzen, das digitale System dafür stammt von Sensalytics. Das Prinzip: Sensoren an den Ein- und Ausgängen messen in Echtzeit, wie viele Kunden gleichzeitig im Laden sind. Wird die Auslastungsgrenze überschritten, werden Mitarbeiter automatisiert über eine App, per SMS oder Anruf darüber informiert und können den Zutritt regulieren. Zusätzliches Personal, das dauerhaft den Eingang überwache, sei bei dem System überflüssig, sagt Sensalytics-Geschäftsführer Omar Tello.

In der Hälfte der Filialen

Die Technik kommt einer Mitteilung von Aldi Süd zufolge in der Hälfte der 1930 Läden zum Einsatz. Man reagiere damit auf behördliche Auflagen und auf den Wunsch der Kunden, den notwendigen Mindestabstand in den Filialen problemlos einhalten zu können. In einzelnen Ladengeschäften, darunter in Stuttgart, werden zusätzlich Ampelsysteme und Bildschirmanzeigen getestet, die Kunden darüber informieren, ob sie in den Laden dürfen oder warten müssen.

Mit der Datenschutzgrundverordnung sei das Ganze 100 Prozent vereinbar, weil keine persönlichen Daten gesammelt werden könnten, sagt Tello. „Die installierten Kameras können nicht aufnehmen und keine Gesichter aufzeichnen. Sie registrieren lediglich, dass eine Person den Laden betreten hat.“

Mit dem eigens entwickelten System war das 2016 gegründete Start-up schon vor der Krise erfolgreich. Zu den Kunden gehören Flughäfen, die erfahren wollen, wie viele Personen die Toiletten benutzt haben, um den Reinigungstrupp losschicken zu können, Kantinenbetreiber, die wissen möchten, wann besonders viel los sein wird, oder die Metzinger Outlet-City, die Kundenströme erfassen will. Mit dem Shutdown kam allerdings der Einbruch. Der sei mittlerweile überwunden, so Tello. „Wir sind nicht mehr in Kurzarbeit und haben gut zu tun.“ Der durch die Krise ausgelöste Auftrag von Aldi Süd ist einer der größten der Firmengeschichte. Dominqiue Leibbrand
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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