Interview

„Kein Kauf aus Mitleid“

  • Tierschützerin Daniela Schneider Foto: Vier Pfoten
Daniela Schneider von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ rät dazu, sich die Verhältnisse bei den Hundezüchtern genau anzuschauen.

Wie erkennt man illegalen Welpenhandel im Internet?

Daniela Schneider: Das ist gar nicht so leicht, weil die Händler ihr Geschäft immer weiter perfektionieren. Sie bieten die Welpen nicht mehr besonders billig an, so wie das früher oft der Fall war. Auch formulieren sie die Anzeigentexte nicht mehr unbedingt in schlechtem Deutsch, sondern schauen sich bei vertrauenswürdigen Händlern ab, wie ein seriöser Text aussieht.

Wozu raten Sie?

Am besten ist es, wenn ein Interessent direkt vor Ort nachschaut, wie die Tiere gehalten werden. Keinesfalls sollte man sich darauf einlassen, dass die Übergabe etwa an einer Raststätte oder an einem U-Bahnhof stattfinden soll. Sie sollte immer bei dem Händler zuhause erfolgen.

Wenn ich auf einen illegalen Händler reingefallen bin, wie soll ich mich dann verhalten?

Auf keinen Fall das Tier aus Mitleid kaufen. Die Händler rechnen damit, dass die Kunden emotional berührt sind, wenn sie einen Welpen sehen, und vielleicht denken: „Ich muss dieses Tier jetzt retten.“ Aber damit unterstützt man nur das grausame Geschäft. Wenn jemand vermutet, dass mit den Welpen etwas nicht stimmt, dann sollte er darum bitten, dass man sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal trifft, und dann vielleicht einen Tierarzt dazu holen. Wer trotz zweifelhafter Umstände unbedingt ein Tier kaufen will, sollte zumindest auf einen gültigen EU-Heimtierausweis und Kaufvertrag bestehen und nachschauen, ob auch alle Felder ausgefüllt sind. Die Angaben über den Besitzer sollte man immer mit dessen Personalausweis abgleichen.

Soll man offensichtlich unseriöse Händler melden?

Ja, bei einem Verdacht sollte man sich an das nächste Veterinäramt wenden.

Befürworten Sie ein Verbot des Onlinehandels mit Haustieren?

Nein, wir sind gegen ein komplettes Verbot. Aber wir fordern dringend eine Regulierung. Absolut notwendig ist eine gesetzliche Identitätsprüfung, damit die Kunden wissen, mit wem sie es zu tun haben und im Zweifelsfall die kriminellen Händler auch zurückverfolgt werden können. Dadurch würden die Hürden deutlich höher gesetzt. Denn bislang kann jeder die Welpen anonym im Internet anbieten. Michael Gabel
© Südwest Presse 02.05.2020 07:45
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