Mountainbike

Abschied ohne Fans in Albstadt

Manuel Fumic trifft die Absage der Heim-WM mehr als die Olympia-Verschiebung.
  • Muss seine WM-Pläne aufgeben: Manuel Fumic. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Mountainbike-Routinier Manuel Fumic hatte alles schon genau geplant. Erst die Heim-WM in Albstadt, dann seine fünften Olympischen Spiele in Tokio, anschließend der Schlussstrich unter 20 Jahre Profisport. Wegen der Coronavirus-Pandemie kommt alles anders: Die Spiele in Japan sind vorerst auf 2021 verlegt, das heiß ersehnte Event auf der Schwäbischen Alb entfällt sogar ersatzlos, wie seit Donnerstag klar ist. Wie geht es weiter?

Fumic erwägt mit seinen 38 Jahren nun, seine Karriere über den Herbst 2020 hinaus zu verlängern. „Jetzt liegt es an mir, ob ich nochmal ein Jahr dranhänge“, sagt der Routinier. Da das Großevent in Albstadt nicht nachgeholt wird, wird zumindest die Verabschiedung vor heimischer Kulisse entfallen. „Olympia ist ein großes Ziel, aber dadurch, dass ich vier Spiele hatte, war Albstadt sogar das größere.“

Die Mountainbiker hatten bis zuletzt gehofft, dass entweder im Herbst oder im kommenden Jahr in Albstadt um Gold, Silber und Bronze gekämpft werden könnte. Doch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die Ausrichterstadt beendeten jetzt alle Hoffnungen. „Aus der Politik gab es klare Signale, dass auch im Oktober international noch mit gravierenden Reisebeschränkungen zu rechnen ist“, sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping. Man habe deshalb in Abstimmung mit der Stadt und dem Radsport-Weltverband UCI „die Notbremse gezogen“. 2021 und 2022 soll es aber wieder Weltcups geben. Was für Fumic kein großer Trost ist.

Wie für viele andere Sportler, deren Wettkampfkalender ganzjährlich Reisen erfordert, ist für Fumic die derzeitige Situation vollkommen neu. „Ich war fast von November bis März im Ausland unterwegs und habe die Gelegenheit zuhause erstmal genutzt, um Zeit mit meiner Familie und meinen drei Kindern zu verbringen“, sagt der Profi aus Kirchheim/Teck. Sein individuelles Training sei von der derzeitigen Krise kaum beeinflusst, er fährt ohnehin meistens alleine oder in ganz kleinen Gruppen.

Jüngeren Athleten wie der 20-jährigen Ronja Eibl könnte die Olympia-Verschiebung sogar entgegenkommen. „Je jünger man ist, desto mehr profitiert man, weil man ein Jahr mehr zur Vorbereitung hat“, sagt die U23-Gesamtweltcupsiegerin.

Die komplette Absage der Heim-WM kann die Lokalmatadorin „nicht nachvollziehen“. Sie hatte auf eine Verlegung auf 2021 gehofft. Am Trainingspensum hat die Krise nicht viel geändert. Statt im Fitnessstudio trainiert sie jetzt mit extra bestellten Geräten im eigenen Keller. lsw
© Südwest Presse 02.05.2020 07:45
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