Bundesliga im Wartestand

Auch wenn das O.k. der Politik noch fehlt, sind die Klubs zuversichtlich, schon Mitte Mai spielen zu können. Die Corona-Tests haben begonnen – beim 1. FC Köln gibt es drei Infizierte.
  • Schluss mit dem Kleingruppentraining. Die Bayern-Profis Joshua Zirkzee, Robert Lewandowski und Alphonso Davies (von links) hoffen, dass der Ball in der Fußball-Bundesliga demnächst wieder rollen wird. Foto: Matthias Balk/dpa
Die Fußball-Bundesliga arbeitet eifrig auf einen baldigen Neustart hin – doch am Freitag wurde sie daran erinnert auf welch fragilen Füßen dieser Plan steht: Bei den großangelegten Coronatests wurden drei Personen beim 1. FC Köln positiv getestet. Funktion und Namen der positiv Getesteten, die allesamt symptomfrei sind, wurden nicht genannt. Der „Kölner Express“ berichtet von zwei Profis und einem Mitglied des Betreuerstabs – alle sind in Quarantäne.

Das Konzept der DFL sieht unter anderem engmaschige Tests vor, erst am Donnerstag hatte sie damit bei den 36 Erst- und Zweitligisten begonnen. Ziel der Liga bleibt ein Neustart noch im Mai – obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag noch kein grünes Licht gegeben hatte.

Erst bei der nächsten Beratungsrunde der Regierungschefin mit den 16 Ministerpräsidenten am 6. Mai „werden wir eine klare Entscheidung treffen, was die sportlichen Betätigungen betrifft“, kündigte Merkel an. Ein Versprechen, das den Tatendrang der Verantwortlichen offenbar nur zusätzlich schürte.

Sollte am Mittwoch die politische Ampel auf Grün springen, könnte eine Woche später schon wieder der Ball rollen. Entgegen anderslautender Gerüchte will die DFL keine Zeit verlieren und mit einem Freitagsspiel am 15. Mai wieder loslegen – sofern Merkel und Co. ihr O.k. geben.

Klopp „ein bisschen neidisch“

Entscheidend wird dabei die Beschlussvorlage sein, die Helge Braun (CDU) als Chef des Bundeskanzleramts auf der Grundlage von Empfehlungen der Fachministerkonferenzen ausarbeiten wird. Die Bundesliga dürfte jedenfalls anders als der Breitensport behandelt werden, es geht schließlich um viele Arbeitsplätze. „Wir müssen eine kluge Entscheidung treffen“, sagte Braun dem Fernsehsender n-tv.

Bislang war bereits bekannt geworden, dass die Sportminister der Bundesländer und das Arbeitsministerium Geisterspiele erlauben wollen, das DFL-Konzept in seiner Endfassung also überzeugt hat. Zuletzt wurde das 41-seitige Papier noch einmal modifiziert. Am Donnerstag wurde mit den flächendeckenden Coronatests bei Erst- und Zweitligisten begonnen, einbezogen sind nicht nur Spieler, Trainer und Betreuer, sondern auch deren Familienmitglieder. Um das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren, soll sich dieser Kreis weitgehend von der Außenwelt abschotten. „Wenn alles Tests negativ sind, wollen wir am Dienstag in das Mannschaftstraining einsteigen“, sagt Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig.

Wohl auch wegen dieser vielversprechenden Aussichten war es zu verschmerzen, dass Merkel die Bundesliga auf die nächste Woche vertröstete. „Die DFL akzeptiert selbstverständlich, dass noch keine Entscheidung zur Wiederaufnahme“ gefällt wurde, hieß es vonseiten des Verbands. Auch die Bosse der Vereine, für die Geisterspiele wegen der dann fließenden TV-Millionen überlebenswichtig sind, hielten sich mit Kritik zurück.

„Wir haben immer gesagt, dass wir die politischen Beschlüsse akzeptieren“, meinte etwa Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Das gilt selbstverständlich auch weiterhin.“ Zumal die Bundesliga im internationalen Vergleich trotz der vertagten Entscheidung noch immer ziemlich früh dran ist – was zu sehnsüchtigen Blicken aus England führt. Teammanager Jürgen Klopp vom FC Liverpool wird ja schon „ein bisschen neidisch, wenn man sieht und hört, wie in Deutschland trainiert wird, wann angefangen wurde und seit wann die Spieler wieder in Zweiergruppen trainieren dürfen“, sagte der frühere BVB-Coach im Podcast des Klubs: „Da kommt in mir so ein menschliches Gefühl auf, dass ich das hier auch gerne hätte. Aber die Situation ist hier leider noch eine andere.“ sid
© Südwest Presse 02.05.2020 07:45
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