Keine Kultur im Freien – von wegen

  • Litfaßsäulen laden ein zum Träumen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Jazz aus der Hölle garniert mit Classic Rock, daneben ein Klavierabend für Kinder und türkisch-deutsche Filmtage – auf Litfaßsäulen lebt die Kultur weiter. Wer genug von Livestreams und Radiokonzerten hat, kann sich mit Plakaten ganz analog in Erinnerung rufen, wie vielfältig das Veranstaltungsprogramm ist, nein: sein sollte. Derzeit ist die Säule ein Mahnmal für die kulturelle Armut, die das Corona-Virus hinterlässt.

Die Säule erinnert aber auch an heitere Abende, die Anfang März noch stattfinden konnten, als das Virus noch keine Chance gegen die Lebensfreude hatte. Es wurde nicht nur Walzer getanzt, auch neue Liebeslieder wurden geträllert. Und beim Frühjahrskonzert stimmten sich die Besucher auf ein erfolgreiches Jahr ein – hoffentlich nicht vergebens.

Wem Tanzabende und Schnulzen zu flach sind, der kann sich dank der Litfaßsäule vorstellen, wie geistreich eine angekündigte Autorenlesung doch gewesen wäre, wie ausgefeilt die Gags der Kabarettisten. Oder welch spirituelle Offenbarung Bachs Kirchenkompositionen verbreitet hätten. Dann jedoch kam Corona, und jetzt heißt es: In der Ruhe liegt die Kraft.

Immerhin spendet die Litfaßsäule Hoffnung. Für Oktober verspricht sie uns eine Pferdeshow. Wer weiß, vielleicht können tänzelnde Rösser das Virus vertreiben. Daniel Wydra
© Südwest Presse 04.05.2020 07:45
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