VfB rüstet sich für Neustart

Mit Corona-Tests auf dem Trainingsplatz wappnet sich Zweitligist Stuttgart wie die gesamte Bundesligabranche für die Wiederaufnahme der Spiele.
  • Der VfB Stuttgart verkauft jetzt auch Mund- und Nasenschutzmasken. Der Erlös geht an die Initiative „VfBfairplay“. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Dass die VfB-Spieler von Chefcoach Pellegrino Matarazzo ihr Trainingspensum in Fünfer-Kleingruppen ohne Zweikampfführung absolvierten, ist am Wasen inzwischen Routine. Und doch gab es etwas Neues rund ums rote Klubhaus: Denn die Corona-Tester waren schon da. Bereits Ende vergangener Woche sind sämtlichen VfB-Spielern vor ihrer Trainingseinheit Abstriche aus dem Nasen- und Rachenraum genommen worden (siehe Info-Kasten). Am Montag wird sich dieses Szenario nun wie von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gewünscht wiederholen, was Optimisten als Indiz dafür werten dürften, dass es mit dem Profifußball zeitnah losgehen könnte. Man rüstet sich. Obwohl die 36 Profiklubs weiter auf eine Entscheidung über die Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs warten.

Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass alles andere als ein positives Signal der Politik am Mittwoch, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs erneut beraten, die Bundesligabranche schon überraschen würde. Mit individuellen Kommentaren zum Bundesliga-Neustart nach dem verhängnisvollen Lockdown des Spielbetriebs am Freitag, dem 13. März, hält man sich aber nicht nur beim VfB Stuttgart zurück. Schließlich soll niemand, so hat es die Branche abgemacht, mit forschen Forderungen die Saisonfortführung in Liga eins und zwei gefährden, wo jeweils noch neun Spieltage zu absolvieren sind.

Macht die Politik am Mittwoch den Weg frei, könnte es frühestens am 15. Mai losgehen – für den VfB könnte der Startschuss in eine Restsaison mit Geisterspielen also im fast leeren Stadion womöglich am Sonntag, 17. Mai, mit dem Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 erfolgen. Um den Spielbetrieb in seiner heißen Phase virologisch wirksam vorzubereiten und ihn später auch zu gewährleisten, gelten nach dem medizinischen Konzept der DFL für alle ganz besondere Spielregeln.



Für die rund 900 Spieler, die Trainer, Betreuer und die Funktionäre der 36 Klubs, die jeweils zweimal pro Woche getestet werden sollen, benötigt die DFL rund 21 600 Tests. Bezieht man eine Reserve mit ein, braucht die Branche rund 25 000 Tests. Hierfür arbeitet der Profifußball mit fünf Laboren zusammen, investiert 500 000 Euro, um auch zusätzliche Testkapazität für die Allgemeinheit zu schaffen. „Unser Konzept geht also nicht zulasten des Gesundheitssystems. Im Gegenteil“, sagt der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.



Quarantäne Für die unmittelbare Vorbereitung und das rund sechswöchige Restspielprogramm, das sich trotz geplanter englischer Wochen bis in den Juli hinein ziehen dürfte, gelten für die Spieler strikte Quarantäneregeln: „Um die Sicherheit zu erhöhen, werden wir vor dem Beginn des Spielbetriebs eine Quarantänesituation in Form eines Trainingslagers herstellen“, heißt es in einem DFL-Papier. Läuft die Bundesliga dann wieder, dürfen sich die Spieler nur zwischen ihrer Privatwohnung, dem Trainingsplatz, dem Hotel und dem Stadion bewegen. Im Pkw dürfen sie nur allein fahren. Sämtliche Personen im familiären Umfeld müssen ihre Kontakte lückenlos dokumentieren – und werden zu Beginn wie zur Halbzeit des Spielbetriebs ihrerseits getestet.



Spieltage Während Trainer und Reservisten am Spielfeldrand während der 90 Minuten eine Maske tragen müssen, gilt im Stadion das Prinzip der Minimierung: Es sollen sich so wenige Akteure wie möglich im Stadion aufhalten. Beim VfB in der Zweiten Bundesliga sind dies 90 Personen im Innenraum, 98 auf der Tribüne und 82 im Außenbereich. Dies sind neben den achtköpfigen Delegationen beider Klubs noch Ordner, Sanitäter, Polizei sowie das TV-Produktionsteam und weitere Medienvertreter.



Fans Wie werden sich die Fans verhalten, da viele Ultra-Gruppierungen Partien ohne Zuschauer ablehnen? Beim bisher einzigen Geisterspiel in der Bundesliga-Geschichte, der Nachholpartie zwischen Gladbach und Köln, demonstrierten Borussen-Fans vor den verschlossenen Stadiontoren. Klar ist: Solche Szenen dürfen sich nicht wiederholen.



Infizierte Die Bundesliga wird wohl nicht mit ihrem erdachten Szenario durchkommen, im Falle eines positiv getesteten Spielers nur diesen in Quarantäne zu schicken, während der Rest weiterspielt. Denn es heißt in einer Beschlussvorlage des Bundesarbeitsministeriums an das Kanzleramt, „dass im Falle einer positiven Testung von Spielern und Betreuern Infiziertemaßnahmen für das betroffene Team erforderlich sind“.
© Südwest Presse 04.05.2020 07:45
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