Junge Polizistin im Blutrausch

Der neue Kieler „Tatort“ mit Axel Milberg dreht sich um eine traumatisierte Beamtin und ist arg vorhersehbar
Eine junge Frau steht auf einem Hochhausdach und droht herunterzuspringen, zwei hochgradig nervöse Polizisten wollen sie unbedingt davon abzuhalten. Doch alle psychologischen Tricks fruchten nichts, die verzweifelte Jule springt in den Tod. Schon kurz darauf gibt es in diesem „Tatort“, der ungemein packend beginnt, den zweiten Toten: Es handelt sich um einen Polizeischüler, der von seiner Mitschülerin Nasrin (Soma Pysall) erstochen wird. Die junge Frau ist vor den Augen der beiden entsetzten Ausbilder Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) komplett ausgerastet. Der besonnene Kommissar Borowski und seine energische Kollegin Sahin stehen vor der alles entscheidenden Frage, warum Nasrin derart überreagiert hat.

Der Sonntagskrimi „Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ (10.5., ARD) legt in den ersten Minuten ein atemberaubendes Tempo vor, bremst aber schon bald ab. Dazu kommt, dass schon zu einem frühen Zeitpunkt ziemlich klar auf der Hand liegt, welchen Hintergrund die schreckliche Bluttat der labilen und ganz offensichtlich traumatisierten Polizeischülerin hat – wirklich überraschende Wendungen gibt es in der Geschichte leider so gut wie keine.

Ihre Ermittlungen führen Borowski und Sahin zum Vater von Jule, der sich ihren Selbstmord beim besten Willen nicht erklären kann. Luca (Kida Khodr Ramadan) erzählt den Polizisten von der früheren Freundschaft, die Jule mit der angehenden Polizistin Nasrin verband – eben jener jungen Frau, die ihren Kollegen so brutal abgestochen hat.

Der Zuschauer ahnt lange vor dem dramatischen Schluss, was Sache ist – und das ist wenig prickelnd. Martin Weber
© Südwest Presse 09.05.2020 07:45
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