Lesermeinung

Lehrer kennen ihr Privileg

Zur Corona-Demo vom Samstag

Lehrkräfte, wie alle anderen Menschen und Berufsgruppen auch, sind durch die Umstände, die Corona mit sich bringt, betroffen. Jede/r unterschiedlich intensiv. Doch ein großer Unterschied zu vielen anderen Menschen besteht – wofür wir als Lehrkräfte per se nichts können – wir sind absolut privilegiert. Unsere Lohnfortzahlung und berufliche Existenz ist gesichert. Wir haben Einschränkungen in Reise- und Kontaktverboten aus verständlichen Gründen zu akzeptieren, wie viele andere auch.

Alle Lehrkräfte, mit denen ich als Schulleiterin in den letzten Wochen gesprochen habe, wissen um dieses Privileg. Deshalb haben sie und viele Kolleginnen anderer Schulen die letzten acht Wochen dafür genutzt, sich autodidaktisch weiterzubilden und vor allem im digitalen Bereich so einzuarbeiten, dass sie in der Lage waren, digitale Unterrichtsangebote neben den analogen „Lernpaketen“ für die Schüler aufzubereiten. Viele KollegInnen litten darunter, dass ihnen der Kontakt zu den SchülerInnen fehlte und sie nicht wussten, wie es ihren „Schützlingen“ unter diesen besonderen Bedingungen geht. Auch die Hoffnung trieb sie um, dass doch hoffentlich wenigstens ein Mindestmaß an Aufgaben zu Hause erledigt werden konnten. Es entstanden kreative und verschieden Möglichkeiten, um mit den Familien und deren Kindern in Kontakt zu kommen.

Für einen großen Teil der Lehrkräfte ist dieser Teil immer noch Realität – auch wenn nun ganz langsam sich die Tore der Schulen wieder öffnen. Aber es geht voran. (...) Das Recht auf Bildung, im Übrigen auch ein Grundrecht, wird in veränderter Form wieder aufgenommen. Der Schulträger hatte bereits vor drei Wochen mit allen Schulleitungen ein passables Hygienekonzept auf den Weg gebracht, das die Schule so umsetzt, dass es auf die einzelne Schule auch passt. Höchste Priorität hat dabei der Schutz der Schülerinnen und Schüler. Als Lehrkraft sind wir Vorbild für die Schülerschaft. Deshalb ist es wichtig die Balance zwischen Restriktion und Öffnung zu halten.

Das Grundrecht der persönlichen Freiheit, der Meinungsfreiheit und das Recht auf Demonstrationsfreiheit sind ein zu schützendes Gut. Dabei zu überziehen und zu vermitteln, unsere Freiheitsrechte seien unverhältnismäßig oder willkürlich eingeschränkt, halte ich für problematisch. Zu überziehen und Verunsicherung zu verbreiten und am Ende noch antidemokratische Mitläufer zu mobilisieren, das hätte im Vorfeld einer Demonstration im Blick behalten werden müssen. Da hilft auch keine Klarstellung oder Distanzierung zu solchen Kreisen. Ich hoffe sehr, dass die Öffentlichkeit mehrheitlich weiß, dass sich ein Großteil der Lehrerschaft in den letzten acht Wochen sehr wohl, innerhalb der gegebenen Umstände, mit Schulentwicklung und vielfältigsten Lernangeboten auseinandergesetzt hat und sich weniger Sorgen um ihre Reisefreiheit und ähnliches gemacht hat.

© Gmünder Tagespost 10.05.2020 20:31
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Kommentare

Harald Seiz

Vor allem dem letzten Absatz stimme ich voll zu. Lehrer dürfen ihre politische Meinung äußern. Auch öffentlich. Wer aber Demos organisiert und behauptet, Grundrechte seien durch die auf dem Boden des Infektioschutzgesetzes getroffenen Verordnungen verletzt, verrät einen eklatanten Mangel an politischer Bildung. Viele Gesetze schränken Grundrechte aus gutem Grund ein. Um die Allgemeinheit zu schützen, wird Verbrechern des Grundrecht auf Bewegungsfreiheit entzogen, um nur ein Beispiel zu nennen. Und auch bei den Quarantäneverordnungen geht es um den Schutz der Allgemeinheit vor Individuen wie einer gewissen Lehrerin aus Alfdorf, die aus Ignoranz andere Menschen anstecken würde. Schlimmer noch, sie animiert durch ihr Verhalten andere, sich über sinnvolle Regeln hinwerzusetzen. Was ich unerträglich finde ist, dass diese Lehrerin ihren Schülern ein schlechtes Beispiel gibt. Auch darf bezweifelt werden, dass sie in ihrem Klassenzimmer die Hygieneverordnungen konsequent durchsetzt. Diese Lehrerin sollte von ihrer Schulleitung disziplinarisch dazu verpflichtet werden, sich mit ihren dümmlichen und unausgewogenen politischen Äußerungen etwas zurückzuhalten.

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