Kommentar Dorothee Torebko über die Corona-Demos

Demokratiefeinde am Werk

  • Dorothee Torebko Foto: NBR
Die alleinerziehende Mutter protestierte bei der Corona-Demo ebenso mit wie der Kneipen- und der Clubbesitzer, der kurz vor der Pleite steht. Sie alle kamen am Wochenende in Berlin, Stuttgart und München zusammen. Die Ängste der Bürger sind berechtigt, ihre Unsicherheit und Zweifel verständlich. Doch zwischen Müttern und Gastronomen liefen auch Demokratiefeinde mit – und hier wird es gefährlich.

Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Extremisten aus dem linken und rechten Spektrum protestieren ebenfalls, teils sind sie sogar Initiatoren der Demos. Am Gemeinwohl sind sie nicht interessiert, sondern daran, ihre kruden Ideen zu verbreiten, Hass zu schüren und die Krise für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Insbesondere Verschwörungstheoretiker suchen nach einem Schuldigen und meinen, ihn in den Machteliten gefunden zu haben. Dem Staat weisen sie als „Hygiene-Regime“ diktatorische Züge zu. Medien stellen sie als Lügner dar. In einigen Fällen – wie jüngst bei einem ARD- und ZDF-Team – entlädt sich die Wut sogar in körperlichen Angriffen. Sie inszenieren sich als Verfechter der Meinungsfreiheit und Demokratie – dabei sind sie das Gegenteil.

Für die Regierungsparteien könnten die Proteste eine Gefahr bedeuten. Schon jetzt beginnt die (Zu)Stimmung zum Corona-Kurs in einigen Teilen der Bevölkerung zu bröckeln. Insbesondere die AfD versucht dies auszunutzen, indem sie mitdemonstriert und eigene „Spaziergänge“ organisiert. Die Partei am rechten Rand hat mit Corona einen Hebel gefunden, um Menschen aus dem bürgerlichen Milieu anzusprechen und könnte letztlich sogar noch profitieren.
© Südwest Presse 11.05.2020 07:45
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Manfred Bartel

Es gibt Krankheiten, die durch n individuellen Lebensstil geprägt sind, z.B. Alkohol zu trinken oder Tabak zu rauchen. Pflegt man solch ein Verhalten über viele Jahre, kann dies zu Organerkrankungen und einem frühzeitigen Tod führen. Diese Erkrankungsformen haben natürlich auch einen sozialen Aspekt, d.h. es muss in der Gesellschaft toleriert werden, das einige Individuen sich gezielt gesundheitlich schädigen und die Allgemeinheit, z.B. über eine Krankenversicherung, für die Behandlung dieser Gesundheitsschäden mit aufkommen müssen. Ein anderer individueller Aspekt ist die Herausforderung des Schicksals, z.B. in Form von Glücksspiel oder Lotterien. Niemand würde in diesem Bereich darauf kommen, das einige Lose kaufen, sich also finanziell an der Lotterie beteiligen, aber alle anderen, also auch die nicht eingezahlt haben, an der Gewinnausschüttung teilhaben. Kombiniert man diese beiden Geschichten, kommt man zu den viralen Ansteckungen, die die ganze Welt betreffen können. Der Lotterieaspekt ergibt sich durch die Impfung, bei der ein kleiner Prozentsatz der Geimpften erkranken kann. Niemand weiß vorher wen es treffen wird. Lassen sich ausreichend viele Menschen impfen, sind auch die Nichtgeimpften geschützt. Impfgegner nutzen nun gezielt diesen Aspekt, sie nehmen an der „Lotterie“ nicht teil, wollen aber an der „Gewinnausschüttung“ teilhaben. Man kann es aber auch nicht verhindern, das sie an diesem „Gewinn“ teilhaben. Welche Forderungen sollen die Geimpften jetzt stellen?

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