Kommentar Michael Gabel zu sexueller Gewalt gegen Kinder

Trügerische Ruhe

  • Michael Gabel Foto: MMH
Die Notruftelefone klingeln seltener als sonst, und in den Jugendämtern gehen weniger Alarmmeldungen ein – aber es ist eine trügerische Ruhe, die aus den Behördenangaben zu Kindesmissbrauch und -misshandlungen hervorgeht. Denn dass die Meldungen während der Corona-Kontaktsperre nicht zugenommen haben, liegt allein daran, dass die Kinder zurzeit kaum noch mit Lehrern, Erziehern und anderen Kontaktpersonen zu tun haben; mit Menschen also, die in normalen Zeiten in aller Regel ein wachsames Auge auf die Situation in Problemfamilien haben. Erst in einigen Monaten werden die Zahlen wieder aussagekräftiger sein.

Aufschlussreich ist aber der Vergleich von 2019 zu 2018. Und der zeigt, dass sowohl die Fälle sexuellen Missbrauchs als auch entdeckter Kinderpornografie stark gestiegen sind. Zwar war in beiden Jahren das Dunkelfeld groß, und auch mehr Ermittlertätigkeit mag eine Rolle gespielt haben. Aber die Tendenz ist eindeutig: Die Gefahr wächst, dass Kinder Opfer von Pädokriminellen werden. Spätestens wenn der reguläre Betrieb in Kitas und Schulen wieder losgeht, sollten also alle noch genauer hinschauen als bisher.
© Südwest Presse 12.05.2020 07:45
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