Lesermeinungen

Neues Feindbild gefunden

Zum Corona-Protest in Schwäbisch Gmünd:

Mit den Corona-Kritikern haben die Jungsozialisten ein neues Feindbild gefunden, an dem Sie ihre Besorgtheit um den demokratischen (Dis-)Kurs in unserer Gesellschaft demonstrieren können. Schnell ist die Schublade gefunden, in die die kritischen Geister dieser Bewegung hineinzustecken sind: Verschwörungstheoretiker, Berufsquerulanten, Spinner und Rechtsextreme.

Da ist es nicht mehr nötig, sich noch ein Bild von den tatsächlichen Beweggründen der Demonstranten zu machen, indem man zum Beispiel mal mit ihnen spricht oder eine Kundgebung besucht. Dort hätte man nämlich feststellen können, dass da Menschen mit ganz unterschiedlichen Haltungen zusammenkommen, die einfach zeigen wollen, dass ihnen Freiheit und Selbstbestimmung wichtig sind und die diese Werte gerade in Gefahr sehen. Wie immer bei Versammlungen ist das Spektrum riesig und es sind auch einige Teilnehmer dabei, die verquasten Theorien anhängen. Diesen wurde aber zumindest in Schwäbisch Gmünd keinerlei Redezeit gegeben, vielmehr erfolgte durch die Sprecherin gleich im zweiten Satz ihrer Rede eine Distanzierung von jedweden Verschwörungstheorien und politischen Ausrichtungen. Ein legitimes Anliegen wird nicht dadurch illegitim, weil einige schräge Vögel mitmachen. Das weiß auch die SPD: Regelmäßig wird am 1. Mai der so wichtige „Tag der Arbeit“ von Linksautonomen zum Anlass für Randale genommen. Das hat sie bisher (zum Glück) nicht davon abgehalten, an diesem Tag weiter für Arbeitnehmerrechte einzutreten. Nur noch perfide und diffamierend sind dann Leserbriefschreiber, die in ihren Beiträgen die Organisatorin der Gmünder Kundgebung namentlich in die Nähe von Rechtsextremisten rücken. Man kennt das ja: Andere Meinungen werden an den Pranger gestellt und schon geht es nur noch um die politische Einordnung der Proteste, nicht mehr um deren Inhalt. Bleibt nur zu hoffen, dass genug aufmerksame Bürger ein solch intolerantes Gebaren durchschauen und sich weiter trauen, für ihre Meinung geradezustehen.

© Gmünder Tagespost 12.05.2020 18:41
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Kommentare

Thomas Reip

Sie haben in meinen Augen vollkommen Recht.

Sascha81

Danke für Ihren Kommentar, Herr Lange,
über die weitere Aufrechterhaltung und Sinnhaftigkeit der Maßnahmen kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Es gibt Argumente, die dafürsprechen aber auch äußerst kritische Stimmen von angesehenen Wissenschaftlern - und nicht von irgendwelchen Stammtisch Professoren - welche die aktuellen Maßnahmen für völlig überzogen halten. Aber es gibt nun mal eben Menschen in Deutschland, deren wirtschaftliche Existenz immens bedroht ist, je länger das dieser Zustand aufrechterhalten wird. Und dass solche Frauen und Männer eben eher für diejenigen Partei ergreifen, die sich für Lockerungen aussprechen, ist aus meiner Sicht völlig nachvollziehbar.
Aber was seitens der Politik und der Mainstream - Medien daraus gemacht wird, war leider wieder voraussehbar.


Erst mussten sich die Gegner der Maßnahmen von dem zwangsfinanzierten ARD - Journalisten, Rainald Becker, als "Spinner" und "Wirrköpfe" titulieren lassen.


http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-698361.html


Dann kam noch die Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette "Eine armlänge Abstand halten" Reker ums Eck und bezeichnete die Demonstranten am Samstag gar als "Mischpoke".


https://twitter.com/HenrietteReker/status/1259460549244485633?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Etweet


Es zeigt sich wieder:
Wenn zu viele die "falsche" Meinung haben, dann hilft nur noch die Dämonisierung, das konsequente in Verruf bringen und in die rechte Ecke stellen. Und diese Masche zieht leider so gut wie immer.

Rolf Voigt

Nein, die Jusos mussten kein neues Feinbild entdecken. Es ist das alte. Denn all zu viele gut organisierte alte Bekannte (besorgte Bürger) versuchen auf der Corona-Krise ihr alt-bekanntes Anti-Süppchen zu kochen. Es sind also also die seit Jahren umtriebigen Kreise, die jetzt auch unter der Parole "Freiheit für das Virus" versuchen das demokratisch legitimierte politische System der Bundesrepublik zu diskreditieren. Und es ist ein großes Verdienst der Gmünder Jusos, dass sie die Querfront-Verbindungen von Frau Beringer aufgedeckt haben. 

EM

Sascha81 schrieb am 12.05.2020 um 22:43Sie bringen Es zeigt sich wieder:

Wenn zu viele die "falsche" Meinung haben, dann hilft nur noch die Dämonisierung, das konsequente in Verruf bringen und in die rechte Ecke stellen. Und diese Masche zieht leider so gut wie immer.

Sie bringen es exakt auf den Punkt! Aber was viele nicht wahrhaben wollen:

Inzwischen sagt die Politik, exakt das, was die "Spinner" und "Wirrköpfe" Ende Januar gesagt haben: "Dass das Virus sehr gefährlich ist." Und die welche das anzweifeln sind jetzt die "Spinner" und "Wirrköpfe". Dabei sagen diese Spinner" und "Wirrköpfe" jetzt nur das, was die Regierung Ende Januar gesagt hat: "Dass das Virus völlig harmlos ist."

Also sind generell alle, welche das Gegenteil von dem Standpunkt der Regierung sagen "Spinner" und "Wirrköpfe" - auch Verschwörungstheoretiker genannt. Und es ist total egal was diese Bürger sagen. Das ist der Trick! Ich dachte, wir leben in einer Demokratie.

Oder gilt etwa doch: eine Demokratie unter Dummen ist eine Diktatur, die fast niemand auffällt?

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