Teure Frische

Für Fleisch, Gemüse und Obst müssen Kunden mehr zahlen als vor einem Jahr. Das liegt nicht nur an der Corona-Krise.
  • Frische Lebensmittel sind teurer. Foto: ©Tatyana Vyc/Shutterstock.com
Manch ein Kunde zuckte in den vergangenen Wochen an der Supermarktkasse zusammen und überprüfte erstmal den Kassenzettel. Ein Einkauf frischer Lebensmittel war im April im Durchschnitt fast 10 Prozent teurer als vor einem Jahr und 4,4 Prozent teurer als im März. Gründe dafür gibt es einige, auch die Folgen der Corona-Krise.

Zum Beispiel Gemüse: Zucchini war im April fast doppelt so teuer wie ein Jahr zuvor, Blumenkohl, Broccoli, Kohlrabi rund 60 Prozent und Paprika kostete immerhin 50 Prozent mehr als im April 2019. Auch Kopf- und Eissalat sowie Spargel kosten rund ein Drittel mehr, wie die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH in Bonn festgestellt hat.

Das Fazit: „Unter Berücksichtigung des Ausgabenanteils der jeweiligen Warengruppe am Frische-Warenkorb sind 35 Prozent des Preisauftriebs von insgesamt 9,8 Prozent auf teureres Gemüse zurückzuführen“, wie der Ami-Marktanalyst Thomas Els zusammenfasst.

Schlechte Importbedingungen

Auch die Handelsexperten des IFH Köln stellen fest, dass die Preisentwicklung über dem normalen Rahmen liegt. Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung, sagt: „Dies ist vor allem durch einzelne Warengruppen bedingt, die schlechtere Importbedingungen und damit höhere Importpreise zu verzeichnen hatten.“ Gleichzeitig seien kaum Aktionspreise angeboten worden, um der sehr hohen Nachfrage aus Händlersicht gerecht zu werden. Gerade bei Gemüse gibt es auch Probleme mit der Ernte, weil wegen der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen weniger Erntehelfer mitarbeiten.

Nicht nur für Gemüse muss man mehr Geld ausgeben. Auch Obst ist teurer geworden. So sind Äpfel und Birnen um ein Viertel beziehungsweise ein Drittel teurer als im Vorjahr. Das hat eher wenig mit der Corona-Krise zu tun. Die Ernte war vergangenes Jahr schlecht, es wurde weniger eingelagert, die Nachfrage ist aber unverändert hoch.

Der größte Preistreiber mit einem Plus von 42 Prozent sind aber Fleisch, Wurst und Geflügel. Die Verbraucherpreise für Schweinefleisch ziehen allerdings laut Ami schon seit Sommer vergangenen Jahres an, weil die Nachfrage aus China wegen der dort grassierenden Schweinepest gestiegen war – bis zu einem Hoch Anfang März, nach dem der Preis nun wieder nachgegeben hat. Das Vorjahresniveau wird trotzdem derzeit weiter übertroffen.

Die Händler reagieren zurückhaltend, werden sie nach den Preissteigerungen gefragt. Lidl betont, dass man auch in Corona-Zeiten versuche, ein „bestmögliches Preis-Leistungs-Verhältnis“ zu bieten. Es gebe im Zusammenhang mit dem Coronavirus keine Preisanpassungen. Allerdings: „Im Rahmen der vom Markt vollzogenen Preisveränderung“ habe auch Lidl die Preise der Milchprodukte der Eigenmarke deutschlandweit angepasst.

Von dieser Anpassung berichten auch die Marktanalysten von Ami. Für Käse und Butter seien zum Monatsbeginn neue Kontrakte zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel geschlossen worden. „Diese haben zu höheren Molkereiabgabepreisen geführt, die sich im weiteren Verlauf auch auf Verbraucherebene niedergeschlagen haben“, sagt Els. So koste ein 250 g-Päckchen Deutsche Markenbutter auf Discountniveau 1,45 EUR. Das seien 10 Cent mehr als zuvor, allerdings 4 Cent weniger als im April 2019.

Eine Pressesprecherin von Kaufland verweist darauf, dass sich die Preisgestaltung aus vielen Komponenten zusammensetzt wie Einkaufspreis, Sonderkonditionen, Werbung, Werbewirksamkeit, Konkurrenzfähigkeit und saisonale Angebote. Im Moment komme es bei Obst und Gemüse aufgrund der Erntehelferthematik zu Preiserhöhungen. Der Butterpreis sinke aktuell aber wieder. „Bei Milch laufen zur Zeit Verhandlungen für die neuen Abschlüsse.“

Edeka Südwest erklärt, dass die Verkaufspreise Schwankungen unterliegen, die unter anderem von der Verfügbarkeit des jeweiligen Produkts abhängen.

Und so gibt es auch Hoffnung, die sich in den letzten Tagen an der Kasse zeigte: Die Preisspitze bei Blumenkohl, Brokkoli und Zucchini ist laut Ami zum Monatsende April bereits überschritten worden – weil viele Kunden die Finger von Broccoli für 4 EUR ließen und viele Gemüsesorten wieder eher verfügbar waren. Außerdem ist Lagergemüse wie Zwiebeln und Weißkohl sogar ein wenig günstiger geworden. Weniger ausgeben muss man für Kartoffeln, die wegen der guten Ernte im vergangenen Jahr günstiger angeboten werden.
© Südwest Presse 13.05.2020 07:45
450 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy