Viele Millionen für Tablets und Laptops

Bund und Länder investieren gut eine halbe Milliarde Euro zusätzlich in digitale Endgeräte für Schüler aus finanzschwachen Familien. Das Geld soll noch vor den Sommerferien fließen.
  • Damit der Online-Unterricht funktionieren kann, benötigen Schüler vernünftige Computer. Foto: Stefan Puchner/dpa
Schülerinnen und Schüler aus finanzschwachen Familien, die bislang mangels technischer Ausstattung nicht am Online-Unterricht teilnehmen konnten, können noch vor den Sommerferien damit rechnen, von ihrer Schule ein digitales Endgerät zu erhalten. Bund und Länder haben sich geeinigt, den Digitalpakt Schule aufzustocken. 500 Millionen Euro gibt der Bund, weitere zehn Prozent legen die Länder drauf. Nach Baden-Württemberg fließen zusätzlich gut 65 Millionen Euro. „Geld ist im Moment nicht die entscheidende Frage“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Freitag. Die Corona-Krise dürfe nicht zur Bildungskrise werden.

Karliczek und ihre Länderkollegen haben sich damit darauf geeinigt, den Zuschuss von 150 Euro pro bedürftigen Schüler, den der Koalitionsausschuss vereinbart hatte, nicht umzusetzen. Stattdessen sollen die Geräte für die Schulen angeschafft werden. „Sie bleiben im Eigentum der Schule und können später im Regelbetrieb dort genutzt werden“, sagte Karliczek. Der Zuschlag für die Anschaffung von Geräten war zuvor als unsozial kritisiert worden, weil diese Summe viel zu gering ist, um leistungsfähige Laptops oder Tablets zu kaufen. Stefanie Hubig (SPD), die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), sprach am Freitag von einer „Frage der sozialen Gerechtigkeit“.

Die Bildungsminister hoffen, dass sich mit dieser Maßnahme der Schulbetrieb langsam normalisiert. Sie gehen davon aus, dass das Nebeneinander von Präsenz- und Online-Unterricht noch lange anhält. Karliczek erinnerte daran, dass es ohne Impfstoff gegen Covid-19 keine Rückkehr zum gewohnten Schulalltag geben kann.

Wer übernimmt die Wartung?

Trotzdem bleiben Fragen. Welche Geräte beispielsweise angeschafft werden, wer sie bekommt, ob sie versichert sind und wer sich um die Wartung kümmert, liegt in den Händen der Länder und Schulträger. „Es bleibt unklar, wer auf welcher Grundlage von der Ausleihe eines Gerätes ausgeschlossen werden würde“, beklagte Udo Beckmann, der Vorsitzende des Bundesverbandes Bildung und Erziehung. „Diese Bürde darf nicht den Schulleitungen auferlegt werden.“ Auch die Frage, wie bedürftige Schülerinnen und Schüler zu Hause ins Internet kommen, ist ungeklärt.

Unterdessen haben die Kultusminister der Länder begonnen, das nächste Schuljahr 2020/2021 zu planen. KMK-Präsidentin Hubig, die auch Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz ist, sagte am Freitag, die Kultusministerkonferenz wolle ein Rahmenkonzept erarbeiten. Ob auch die Sommerferien genutzt werden, um Schülern Bildungsangebote zu machen, entscheidet jedes Land für sich. Mathias Puddig
© Südwest Presse 16.05.2020 07:45
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