Hintergrund

Hunderte von Einsätzen

  • Drohnen werden aus der Ferne gesteuert. Foto: Gerald Nino, CBP, U.S. Dept. of Homeland Security
Unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama wurden deutlich mehr Drohnenmissionen mit tödlichen Folgen geflogen als selbst unter George W. Bush, der die unbemannten Flugzeuge als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 einsetzte. Nachgelegt hat nun aber Obamas Nachfolger Donald Trump, der den Drohnenkrieg nach Überzeugung von Militärexperten weiter beschleunigt hat. Wie so häufig unter Trump hüllt sich die Regierung aber in Schweigen, wenn es um die Veröffentlichung von präzisen Daten und Fakten geht.

Sicher ist hingegen, dass trotz der Milliardenbeträge, die das Pentagon in neue Generationen der unbemannten Tötungsmaschinen investiert, deren Zielsicherheit weniger genau ist als vielfach angenommen. Mehrmals haben Einsätze, die von Trump angeordnet wurden, auch unschuldige Opfer gefordert.

Wie das Council on Foreign Relations errechnet hat, kam es während der acht Jahre unter Obama zu 542 Einsätzen von Kampfdrohnen, die mit Abstand meisten davon in Pakistan, Somalia und im Jemen. Dabei starben 3797 Menschen, unter ihnen 324 Zivilisten. Seit Trump im Weißen Haus das Sagen hat, weitete die US-Luftwaffe ihre Drohneneinsätze verstärkt auf Syrien, Afghanistan und Libyen aus.

Proteste halten sich in Grenzen

Nicht selten kommt es dabei zu Kollateralschaden, wie das Militär Zivilisten nennt, die ums Leben kommen. So starben in Afghanistan im vergangenen September bei der Attacke auf ein mutmaßliches Versteck von IS-Kämpfern 30 landwirtschaftliche Arbeiter. Zuvor waren im Süden Libyens elf Zivilisten ums Leben gekommen, als das eigentliche Ziel eine Gruppe von Al-Kaida-Extremisten war.

Proteste in den USA halten sich Grenzen, da das Weiße Haus gescheiterte Einsätze unter den Teppich kehrt. Betont wird auch, dass die meisten Drohnen nicht Kampfeinsätzen, sondern vielmehr der Überwachung und Aufklärung dienen. Allein dieses Jahr sollen 2,2 Milliarden Dollar in die Forschung und 3,3 Milliarden Dollar in die Beschaffung neuer, modernerer Drohnen fließen. Aushängeschild der neuen Generation ist die Langstreckendrohne XQ-58A Valkyrie. Mit radarabweisenden Eigenschaften soll diese imstande sein, gemeinsam mit dem Kampfflugzeug F-35 Einsätze zu fliegen. Peter De Thier
© Südwest Presse 16.05.2020 07:45
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