Kommentar Alexander Bögelein zum Freispruch für VW-Manager

Düsteres Kapitel

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  • Alexander Bögelein Foto: Martin Ebert Foto: Martin Ebert
Das war es also. Im Diesel-Betrugsskandal kommen die VW-Mächtigen Herbert Diess und Hans Dieter Pötsch vergleichsweise billig weg. Dass das Verfahren gegen die Zahlung von jeweils 4,5 Millionen Euro eingestellt wird, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Zigtausende Kunden hat VW getäuscht, auf Kosten der Umwelt den Gewinn maximiert und bei der Aufklärung des Skandals nur immer das zugegeben, was nicht mehr zu umgehen war. Bis zum vergangenen Jahr sträubte sich der Konzern gegen die berechtigten Forderungen der Kunden.

Gemessen an den mehr als 30 Milliarden Euro, die VW der Skandal bisher gekostet hat, sind die 9 Millionen Euro keine große Summe. Netterweise übernimmt VW die Rechnung für Diess und Pötsch, die stets ihre Unschuld beteuert hatten.

Juristisch gesehen ist das ein Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen vorgeworfen, den Kapitalmarkt vorsätzlich zu spät über die Kosten des Diesel-Skandals informiert zu haben. Drei Jahre haben die Ermittler Akten gewälzt. Dass sie sich nun auf einen Deal eingelassen haben, legt nahe, dass sie ihren Vorwurf nicht beweisen konnten. Der Freispruch ist nach den Buchstaben des Gesetzes folgerichtig. Für Diess und Pötsch ist das düstere Kapitel zu Ende. Moralisch gesehen bleiben schwarze Flecken auf ihren weißen Westen.
© Südwest Presse 22.05.2020 07:45
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