Bloß keine Ausrutscher mehr

Der Fußball-Zweitligist festigt nach dem glanzlosen 2:0 in Dresden Platz zwei. Sportdirektor Mislintat rechtfertigt die Vertragsverlängerung mit Coach Matarazzo.
  • VfB-Kapitän Marc-Oliver Kempf (vorne) im Kopfballduell mit Ondrej Petrak von Dresden. Foto: Robert Michael
Sven Mislintat weiß, wie brenzlig die Situation ist. Jeder Ausrutscher in den nächsten vier Wochen mit noch fünf Spielen könnte dem VfB Stuttgart die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga kosten. Insbesondere der viertplatzierte Landesrivale 1. FC Heidenheim bringt die Zweitliga-Topclubs VfB und Hamburger SV in Bedrängnis. „Die machen einen Sensationsjob. Die haben eine richtige Chance“, räumte der VfB-Sportdirektor am Montag ein. Natürlich sei die Situation im Endspurt für einen Außenseiter wie die Heidenheimer angenehmer, meinte Mislintat: „Rein psychologisch können sie nur gewinnen, Hamburg und Stuttgart können nur verlieren.“

Mit dem 2:0 bei Dynamo Dresden hatten die Stuttgarter am Pfingstsonntag zwar ihren zweiten Platz verteidigt, der am Ende den direkten Aufstieg sichern würde. Frei von Druck sieht Mislintat natürlich auch sein Team nicht. Nur der souveräne Tabellenführer Bielefeld dürfe sich einen Ausrutscher erlauben, meinte er: „Alle anderen müssen punkten.“ Er verglich den Aufstiegskampf mit einem Halbfinale oder Finale in der Champions League, bei dem wenige Situationen entscheiden würden.

Didavi kehrt wohl zuück

Am Sonntag ist der VfB gegen den VfL Osnabrück gefordert und kann dann voraussichtlich wieder mit dem zuletzt angeschlagenen Mittelfeldspieler Daniel Didavi planen. Das Hinspiel bei den Niedersachsen hatte der VfB mit 0:1 verloren. Die Bilanz aus dem Hinrunden-Abschluss sei für den Aufstieg aber ohnehin zu wenig, mutmaßte Mislintat: „Wir können davon ausgehen, dass zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden nicht reichen werden.“

In Dresden hatten Hamadi Al Ghaddioui (18. Minute) und Darko Churlinov (88.) mit seinem ersten Zweitliga-Tor für den letztlich verdienten Sieg gesorgt. Einhundertprozentig zufrieden war Trainer Pellegrino Matarazzo anschließend nicht. Er hatte sich ein bisschen mehr FC-Bayern-Mentalität von seinen im zweiten Durchgang etwas nachlässigen Spielern erhofft. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir dann weitergemacht hätten, so ähnlich wie Bayern gestern auch seinen Gegner abgeschossen hat“, sagte der 42-Jährige mit Blick auf den 5:0-Sieg der Bayern gegen Fortuna Düsseldorf. Die Schwaben dagegen hatten es nach der Pause überraschend locker angehen lassen und gewannen „dreckig“, wie Matarazzo sagte.

Der Coach genießt bei den VfB-Verantwortlichen einen hohen Stellenwert. Das hatten sie, wie berichtet, am vergangenen Mittwoch mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis zum Sommer 2022 untermauert. Eine dringende Notwendigkeit für die Entscheidung gab es nicht, weil der Trainer schon zuvor bis zum Sommer 2021 unterschrieben hatte. „Es ist an der Zeit zu zeigen, am Trainer liegt es nicht“, rechtfertigte Mislintat. „Es ist an der Zeit, zu zeigen, dass wir uns alle in die Verantwortung nehmen und unseren Teil dazu beitragen, dass ein sehr, sehr guter Trainer seinen Job machen kann.“ Hinter dem Trainer sollen sich die Spieler nicht mehr verstecken können. dpa/mut
© Südwest Presse 02.06.2020 07:45
344 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy