Til Schweiger und Bastian Schweinsteiger

„Ich hatte ein bisschen Bammel“

Schauspieler und Regisseur Til Schweiger hat einen Dokumentarfilm über Bastian Schweinsteiger produziert. Der Streifen läuft ab Freitag auf Amazon Prime.
  • Bastian Schweinsteiger in einer Szene aus „Schweinsteiger: Memories - Von Anfang bis Legende“. Foto: --/Amazon/ Barefoot Films/dpa
  • Til Schweiger hinter den Kulissen für den Dokumentarfilm „Schweinsteiger: Memories - Von Anfang bis Legende“. Foto: --/Amazon/ Barefoot Films/dpa
Keine Frage, er zählt zu den ganz Großen des deutschen Fußballs: Bastian Schweinsteiger, 2014 Weltmeister mit dem DFB-Team. Jetzt beleuchtet Til Schweiger in dem von ihm produzierten Dokumentarfilm „Schweinsteiger: Memories – Von Anfang bis Legende“, der von kommenden Freitag an beim Streamingdienst Amazon Prime Video zu sehen ist, die Höhen und auch Tiefen in der langen Karriere des heute 35 Jahre alten Sportlers, der die Fußballschuhe im vergangenen Jahr an den Nagel gehängt hat.

In der Dokumentation von Til Schweigers Produktionsfirma „Barefoot Films“ kommen neben Schweinsteiger zahlreiche andere Fußballgrößen und Wegbegleiter wie Bundestrainer Joachim Löw oder Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß zu Wort.

Herr Schweiger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Dokumentarfilm über Bastian Schweinsteiger zu drehen?

Til Schweiger: Es war genau andersherum: Die Mitarbeiter von Bastian haben uns im Sommer letzten Jahres angefragt, ob wir uns vorstellen könnten, einen Film über ihn zu drehen. Da habe ich natürlich sofort zugesagt.

Warum war er daran interessiert?

Er sagte mal in einem gemeinsamen Interview, das wir einer Zeitung gegeben haben, dass er mich für den besten Filmemacher in Deutschland hält, was mir natürlich sehr geschmeichelt hat (lacht). Und da ich ihn als Menschen sehr schätze und in seiner Geschichte unglaublich viel drinsteckt, war ich begeistert von der Idee, das zu machen.

Was fasziniert Sie an seiner Biographie?

Schweinsteigers Laufbahn als Fußballprofi war von Entbehrung, harter Arbeit, herben Niederlagen und großen Erfolgen geprägt, da gibt es einfach alles. Er war 2012, als Bayern München das Finale in der Champions League verloren und er einen Elfmeter verschossen hat, an einem krassen Tiefpunkt. Ein Jahr später hat er mit Bayern die Champions League gewonnen und 2014 wurde er mit der Nationalmannschaft Weltmeister.

Besser könnte man es gar nicht erfinden…

Genau, das ist das perfekte Drehbuch. Ich war auch immer schon ein großer Fan von Bastian, weil er einer ist, der für mich den Neuanfang des deutschen Fußballs bei der WM 2006 verkörpert. Damals beim Sommermärchen hat die Welt ja gesehen, dass die Deutschen auch Fußball spielen können und nicht nur die Panzer sind, die alles wegräumen. Bastian und auch Lukas Podolski waren damals die Gesichter dieses Neuanfangs. Das war toll, und 2006 habe auch ich mir ein Deutschlandfähnchen ans Auto gepinnt (lacht).

Sind Sie denn auch ein Bayern-Fan?

War ich schon immer. Ich habe schon als Kind in den siebziger Jahren für die Bayern geschwärmt, mein Lieblingsspieler war damals Karl-Heinz Rummenigge. Ich habe ja selber Fußball gespielt, und als mich der Trainer dann in der B-Jugend vom Linksaußen zum linken Verteidiger und dann zum Vorstopper gemacht hat, wurde Karl-Heinz Förster vom VfB Stuttgart mein großes Vorbild. Der war immer fair, hat aber alles weggegrätscht, großartig (lacht).

Hatten Sie wie viele Buben den Traum, selber mal Profi zu werden?

Nein, daran habe ich eigentlich nie gedacht. Ich kann mir zwar vorstellen, dass mir das Spaß gemacht hätte, Fußballprofi zu sein, aber dazu hat es nicht gelangt.

Was halten Sie denn von den Geisterspielen, die derzeit in der Bundesliga absolviert werden?

Ich gucke mir das im Fernsehen an, es ist natürlich ganz was anderes als sonst. Du hörst ohne die Zuschauer im Stadion jeden Tritt gegen den Ball und jedes Kommando auf dem Platz, das erzeugt eine ganz komische Atmosphäre. Aber ich bin vor allem froh, dass überhaupt wieder Fußball gespielt wird. Mit Publikum ist es mir natürlich lieber, aber das geht momentan eben nicht.

Sie kennen Bastian Schweinsteiger schon ein paar Jahre. Würden Sie sich als Freunde bezeichnen?

Er ist vielleicht nicht so ein enger Freund wie die Freunde, mit denen ich zusammen aufgewachsen bin, aber ich würde Bastian Schweinsteiger schon als Freund bezeichnen. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe, und es wird immer lustig, wenn wir uns treffen. Er ist ein unglaublich empathischer und emotionaler Typ und sehr bescheiden. Er begegnet jedem Menschen auf Augenhöhe – egal ob das ein Busfahrer oder Uli Hoeneß ist, er behandelt alle gleich.

Uli Hoeneß kommt wie Jogi Löw und viele andere Hochkaräter aus der Fußballszene in der Doku auch zu Wort. War es schwer, die alle vor die Kamera zu bekommen?

Nein, die haben alle sofort zugesagt. Die fühlen sich alle dem Bastian Schweinsteiger verbunden, da gab es für unseren Regisseur überhaupt keine Probleme.

Wieso haben Sie nicht selber Regie geführt?

Weil ich gar nicht die Zeit dazu hatte, ich war stark in die Entwicklung einer neuen Serie und von zwei Kinofilmen involviert. Außerdem hatte ich ehrlich gesagt auch ein bisschen Bammel davor, einen Dokumentarfilm zu drehen, das ist ja ein ganz anderes Genre. Deshalb habe ich mir mit Robert Bohrer einen Regisseur besorgt, der sich da auskennt und der außerdem unheimlich viel von Fußball versteht. Ich glaube, es ist schwieriger, eine Dokumentation als einen Spielfilm zu drehen.

Warum?

Weil man eine Dokumentation nicht so genau planen kann. Ich bin jemand, der alles sehr genau plant und beginne mit den Dreharbeiten für einen Kinofilm erst, wenn ich weiß, dass das Drehbuch sehr gut ist. Für einen Dokumentarfilm gibt es aber kein Drehbuch. Man geht erst mal los, sammelt viele Informationen und Material, spricht mit unzählig vielen Leuten und muss dann schauen, was daraus wird.

Könnten Sie sich denn vorstellen, auch mal über einen anderen deutschen Sporthelden wie etwa Boris Becker eine Doku zu machen?

Könnte ich tatsächlich, aber ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht, wer dafür in Frage käme.
© Südwest Presse 03.06.2020 07:45
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