Endlich weg mit dem Glimmstängel: So hören Sie erfolgreich mit dem Rauchen auf

Die Lebenserwartung eines Rauchers ist durchschnittlich sieben Jahre geringer als die eines Nichtrauchers. An den Folgen ihres Tabakkonsums sterben laut WHO jährlich Millionen von Menschen - Rauchen ist somit das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Das Wissen über die Risiken des Rauchens und schiere Willenskraft reichen jedoch leider oft nicht aus, um die Entwöhnung anzugehen.

Nikotin hat ein ähnlich hohes Suchtpotenzial wie Heroin. Innerhalb weniger Sekunden nach dem Zug an der Zigarette gelangt es ins "Belohnungszentrum" des Gehirns und sorgt dafür, dass Glücksgefühle entstehen. Sinkt der Nikotinspiegel, entsteht das starke Verlangen, sich wieder so gut wie zuvor zu fühlen. Außerdem entsteht mit der Zeit eine suchttypische Toleranzentwicklung. Das bedeutet, dass man zunehmend mehr konsumieren muss, um den gleichen Effekt zu erzielen. Dennoch beweisen die vielen ehemaligen Raucher, dass es möglich ist, die Sucht zu besiegen. Dieser Artikel erklärt, wie auch Sie es schaffen, endlich mit dem Rauchen aufzuhören.

Das passiert, wenn Sie zum Nichtraucher werden

Damit Sie sich keine Gedanken um die unangenehmen Nebenwirkungen des Entzugs machen, sollten Sie sich vor allem auf die vielen positiven Aspekte des Nichtrauchens fokussieren. Schon nach kürzester Zeit setzt nämlich die körperliche Regeneration ein. Bereits nach einer halben Stunde verbessert sich die Durchblutung im Körper, außerdem stabilisieren sich Puls und Blutdruck. Nach etwa acht Stunden beginnt auch die Lunge, sich zu entspannen. Der Sauerstofftransport wird merklich besser. Nach etwa drei Tagen sinkt das Herzinfarktrisiko. Geruchs- und Geschmackssinn, die durch das Rauchen deutlich eingeschränkt werden, verbessern sich deutlich. In den Wochen zwei bis zwölf nach dem Rauchstopp regeneriert sich Ihr gesamter Körper. Sie fühlen sich täglich fitter und leistungsfähiger. Nach etwa fünf Jahren haben Sie in etwa das gleiche Krebsrisiko wie ein Nichtraucher. Auch das Herzinfarktrisiko, das insbesondere Frauen unterschätzen, sinkt rapide weiter.

Möglichkeiten der Rauchentwöhnung

Um endlich von den Zigaretten loszukommen, stehen diverse Methoden zur Verfügung. Einige davon sind medikamentös, andere beinhalten eine nicht medikamentöse, sanfte Begleitung. Eine der bekanntesten und wirksamsten Therapien ist die Nikotin-Ersatztherapie (NET). Bei der NET wird das Nikotin durch Alternativen wie Pflaster, Kaugummis, Sprays oder Lutschtabletten supplementiert. Andere Interventionen, die wirksam sein können, sind Coaching, Hypnose, Akkupunktur, Entspannungsübungen und Psychotherapie. Die medikamentösen Entwöhnungstherapien behandeln vor allem die körperlichen, die nicht medikamentösen eher die mentalen Symptome. Für die Wirkung von alternativen Methoden wie Akkupunktur und Hypnose liegen bisweilen wenige wissenschaftliche Studien vor, obgleich Millionen von Nichtrauchern auf sie schwören. Der Erfolg von Nikotinersatztherapie und Coaching ist hingegen mittlerweile gut belegt.

Wie funktioniert eine Nikotinersatztherapie?

Die NET hilft vor allem dabei, auftretende körperliche Entzugserscheinungen zu lindern. Ihre Wirkung beruht darauf, dass das Nikotin in Form von Nikotinpflastern, Tabletten oder Kaugummis medikamentös zugeführt wird. Nervosität, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme treten so deutlich seltener und in abgemilderter Form auf, da der Körper nicht sofort und vollständig auf die Nikotinzufuhr verzichten muss. Die Ersatzpräparate enthalten zwar auch Nikotin, jedoch ohne die zusätzlichen, teilweise krebserregenden Substanzen, die in Zigaretten zu finden sind.

    • Nikotinpflaster eignen sich besonders gut für sehr starke Raucher. Sie sind hoch dosiert und geben kontinuierlich Nikotin über die Haut ab. Da sie relativ genau dosiert werden können, lässt sich die Dosis individuell einstellen und schließlich kontinuierlich reduzieren. Die Pflaster können an jeder Stelle des Körpers angebracht werden, an der sie nicht stören, solange diese sauber und haarfrei ist.
    • Nikotinkaugummis geben den Wirkstoff über die Mundschleimhaut ab. Sie eignen sich insbesondere für Gelegenheitsraucher, da sie weniger stark dosiert sind als Pflaster. Selbst bei wochenlangem Gebrauch besteht kein Kariesrisiko, da Nikotinkaugummis in der Regel zuckerfrei sind.
    • Nikotinsprays helfen insbesondere bei akutem Verlangen dabei, nicht zur Zigarette zu greifen. Sie geben sofort einen Nikotinstoß ab, der das körperliche Craving lindert. Außerdem erinnert das Führen des Inhalators zum Mund viele Menschen an das Ziehen an einer Zigarette. So entsteht gleichzeitig eine psychische Entspannung.

Was hilft bei Entzugserscheinungen?

Die Vorteile, die es hat, endlich mit dem Rauchen aufzuhören, liegen auf der Hand. Bevor Sie diese jedoch auskosten können, müssen Sie leider zunächst einen Umgang mit den unangenehmen Entzugserscheinungen finden. Starkes Verlangen nach einer Zigarette, Nervosität, Unruhe, Aggressivität, Schlafstörungen und eine schlechte bis depressive Stimmung können Tage bis Wochen anhalten. Glücklicherweise gibt es einiges, was Sie tun können, um sich besser zu fühlen. Besonders zuverlässig helfen Sport und Bewegung. Sport tut Körper und Psyche gut, denn dabei werden Glückshormone ausgeschüttet: Sie werden sich sofort entspannter und ausgeglichener fühlen. Bei Müdigkeit und Abgeschlagenheit helfen Schlaf und längere Ruhephasen. Gönnen Sie sich insbesondere in den ersten Tagen die Pausen, die Ihr Körper einfordert.

Gegen besonders starkes Verlangen hilft Ablenkung. Finden Sie etwas, was Ihnen wirklich Spaß macht und Sie auf andere Gedanken bringt. Möglicherweise ist die Rauchentwöhnung auch eine gute Zeit, ein neues Hobby anzufangen und sich ganz auf sich zu konzentrieren. Wenn Sie vermehrt Appetit verspüren, dann stressen Sie sich nicht unnötig, indem Sie sich Gedanken um Ihr Gewicht machen. Der Nikotinentzug ist für den Körper Stress genug. Essen Sie viel Obst und Gemüse, genießen Sie bewusst und greifen Sie zu den Lebensmitteln, die Ihnen besonders gut schmecken. Wenn Sie bemerken, dass Ihre Laune in den Keller rutscht: Begeben Sie sich unter Menschen. Gute Gesellschaft kann Wunder bewirken. Sprechen Sie mit lieben Menschen darüber, wie es Ihnen geht, finden Sie Verständnis bei anderen und auch sich selbst gegenüber. Und zuletzt: Seien Sie stolz auf jeden weiteren Tag, an dem Sie es geschafft haben, nicht zu rauchen.

Photo by alfcermed on Pixabay

© Gmünder Tagespost 05.06.2020 14:23
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