Kritik an Abstandsschildern von Betzold

Debatte Warum der Schul- und Kitaausstatter plötzlich in der Kritik steht und wie die Geschäftsleitung reagiert.

  • Betzold-Produkte zieren von jeher Bilder mit Kindern aller Hautfarben. Stein des Anstoßes war jetzt der Bodenaufkleber „Abstand halten“ zur Corona-Prävention (oben rechts). SDZ-Collage: ca

Ellwangen. Ziemlich kalt erwischt wurde das Ellwanger Familienunternehmen Arnulf Betzold GmbH. Der Vorwurf einer Privatperson: Betzold verkaufe Abstandsschilder, die eindeutig rassistisch seien, und: „Es darf doch nicht so bleiben, dass sie unsere Kinder damit versorgen.“ Adressiert war die Kritik per E-Mail an einen großen, bundesweiten Verteilerkreis, nicht jedoch an die Firma Betzold selbst. Nachfragen der SchwäPo beantwortete die Person bis Redaktionsschluss nicht.

Stein des Anstoßes: Der von Betzold für Schulen und Kitas produzierte Bodenaufkleber „Abstand halten“, im Pack zu fünf Stück. Mit diesem Aufkleber wollte Betzold die Einrichtungen unterstützen, die coronabedingten Abstandsregeln kindgerecht nahezubringen und umzusetzen.

Ausgerechnet die Firma Betzold trifft der Rassismus-Vorwurf hart. So engagiert sich Betzold seit Jahren im Aktionsbündnis „Ellwangen bleibt bunt“ gegen Hass und rechte Gewalt, tritt für ein solidarisches Miteinander ein.

Betzold unterstützt Projekte für Kinder in Burkina Faso und Mosambique ebenso wie Schulen hier vor Ort. Regelmäßige Spenden an die Kinder in der Ellwanger Landeserstaufnahmeanstalt für Flüchtlinge etwa oder der Verzicht auf Feiern zum 50-jährigen Firmenjubiläum, stattdessen eine großzügige Lebensmittelspende an den Ellwanger Tafelladen, belegen das soziale Engagement der Unternehmerfamilie.

„Ich bin über den Vorwurf überrascht, denn wir stehen für das Gegenteil“, sagt Geschäftsführer Albrecht Betzold angesichts des Rassismus-Vorwurfs. „Wir vertreten und leben eine multikulturelle und offene Weltanschauung, im Katalog, auf der Website, auf allen unseren Produkten.“ Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe er dennoch sofort reagiert und das Produkt aus dem Shop nehmen lassen, „damit keine Missverständnisse entstehen“, sagt Betzold. Das Design habe er selbst mit abgesegnet und bedauert, dass es aus dem Zusammenhang der Betzold’schen Bilderwelt gerissen für sich allein stehend falsche Interpretationen zulässt. „Ich würde mir wünschen, dass wir in einer Welt leben, in der es egal ist, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe abgebildet ist.“

Ebenso hätte sich Betzold gewünscht, dass Kritiker zuerst das offene Gespräch mit dem Unternehmen gesucht hätten: „Ich bin überzeugt, dass wir dann dieses Missverständnis ausgeräumt hätten. Ich bin immer gesprächsbereit, mein Angebot steht.“ Grundsätzlich wird Betzold an seiner Bilderwelt festhalten: „Wir zeigen weiterhin Produkte mit unterschiedlichen Kindern. Piktogramme alleine, das wäre eine traurige Welt.“

© Gmünder Tagespost 05.06.2020 19:42
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