Bretagne-Krimi

Morde in Saint-Malo

Der neue Bannalec heißt „Bretonische Spezialitäten“: Kommissar Dupin ermittelt in der hoch dekorierten Restaurant-Szene.
  • Die Korsarenstadt Saint-Malo im Nordosten der Bretagne, an der Smaragdküste, ist Schauplatz des neuen Bannalec. Foto: Damien Meyer/afp
  • : Bretonische Spezialitäten. Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, 16 Euro. Foto: Verlag
Auf seiner Website gibt der Tourismusverband den deutschen Urlaubern nach dem Corona-Lockdown grünes Licht: „Die Bretagne freut sich schon mindestens so sehr auf Sie, wie Sie sich auf die Bretagne freuen!“ Schön, und der neue, an diesem Dienstag erscheinende Bretagne-Krimi von Jean-Luc Bannalec, „Bretonische Spezialitäten“, heizt die Reiselust noch weiter an.

Den neunten Fall von Kommissar Dupin haben die Bretonen schon seit Wochen werbend „im Blickpunkt“, und sowieso listet der Tourismusverband auf einer Karte „die Lieblings- und Tatorte“ der Krimis auf. Reiseveranstalter laden speziell dazu ein. Mit den Millionenauflagen seiner Romane hat Bannalec – unter diesem Pseudonym schreibt der deutsche Autor und Verleger Jörg Bong – seit 2012 gewaltig das Fernweh gefördert.

Es sind nicht zuletzt unterhaltsame Reiseführer: Mit den Augen Dupins, dem aus Paris stammenden Polizisten, lernt der Leser die Bretagne kennen und lieben – auch weil ein Team aus patriotischen Bretonen ermittelt, das seinem Chef, dem „Franzosen“, schwärmerisch Land, Geschichte und Lebensart erklärt. Andererseits: Die Daheimbleibenden können die Krimis wie einen guten Urlaub genießen.

In der Hafenstadt Concarneau im Süden des Finistère befindet sich Dupins Revier. Aber mit einigen Tricks rückt Bannalec auch andere Schauplätze der Bretagne in den Vordergrund und erfreut damit nicht nur seine Leser, sondern auch die lokalen Fremdenverkehrsämter. In „Bretonisches Leuchten“ machte Dupin Ferien: im Norden, an der Rosa Granitküste bei Trégastel, wo der sich tödlich langweilende Kommissar prompt eine Leiche findet. Und in „Bretonische Geheimnisse“ fährt die Police de Concarneau zum Betriebsausflug in den sagenhaften Forêt de Brocéliande im Département Ille-et-Vilaine, ins Reich des König Artus, wo natürlich auch gemordet wird.

Nach einem Heimspiel in Dupins Lieblingsrestaurant L'Amiral („Bretonisches Vermächtnis“) führt der aktuelle Fall nach Saint-Malo, in die Korsarenstadt an der Smaragdküste, in den Nordosten der Bretagne. Auch Cancale, das Austern-Dorado, und das Seebad Dinard gehören zum Territorium des Romans. Dieser Schauplatz ist originell motiviert. Dupin ist abgeordnet, an einem „einzigartigen Seminar“ in der Polizeischule von Saint-Malo teilzunehmen. Jeder Präfekt der vier bretonischen Départements hatte einen Kommissar bestimmen können: Teambildung ist das hehre Ziel. Und der gerne sich aufplusternde Locmariaquer hatte Dupin fürs Finistère nominiert – sehr zu dessen Verdruss.

Immerhin stehen abends große Essen in den herausragenden Restaurants auf dem Programm: im Maison du Beurre von Yves Bordier oder auch bei Bertrand Larcher, der in der Rue de l'Orme die japanische und bretonische Küche zusammenrührt. Oui – diese Lokale und Köche gibt's wirklich, Bannalecs Krimi spielt wie immer an Originalschauplätzen; manchmal wundert sich der Leser, dass der Roman nicht in Fußnoten die Öffnungszeiten, Speisekarten und Preise verzeichnet.

Nein, es ist immer noch ein Roman. Aber das Lokalkolorit spielt eine große Rolle – und das tut es in „Bretonische Spezialitäten“ im doppelten Sinne. Kommissar Dupin, der auf dem Marché de Saint-Servan besagte Spezialitäten einkauft, wird quasi Zeuge, wie eine Frau eine andere Frau ersticht. Er nimmt die Verfolgung auf und sorgt für erhebliches Aufsehen. Der Fall scheint dann bald klar: ein Familiendrama. Das Opfer ist eine Starköchin, umgebracht von ihrer Schwester, ebenfalls eine berühmte Küchenchefin der Region. Aber was ist das Motiv? Nur Rivalität? Es wird spannend, nachdem sich eine ganze Mordserie entwickelt.

Dupin kann's nicht lassen, er mischt sich ein und bekommt schnell Ärger mit der zuständigen Kommissarin Huppert. Der Clou der Handlung: Die Ermittlungen laufen gewissermaßen als Praxistest, man fahndet gemeinsam als „Brit Team“, angetrieben von den Präfekten. Wobei Nolwenn, Dupins Assistentin, ihm am Telefon klarmacht, das es um das Finistère gehe, sein Heimat-Département. Keine Frage: „Der Wettstreit der bretonischen Stämme hatte begonnen.“

Mehr wird nicht verraten. Aber dass Dupin selbstverständlich die entscheidenden Geistesblitze hat, ist klar. Und am Ende feiern ihn seine Leute – Nolwenn, Kadeg und Riwal – natürlich daheim im L'Amiral, wo ihnen Paul Girard extragroße Entrecôtes auftischt.
© Südwest Presse 16.06.2020 07:45
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