Kommentar Gerold Knehr zum Rücktritt von Clemens Tönnies

FC Schalke an der Nadel

  • Foto: Volkmar Könneke
Clemens Tönnies und Klaus-Michael Kühne sind Milliardäre. Beide haben Millionen von Euro in „ihren“ Fußball-Klub gesteckt – und verbrannt. Kühnes Hamburger SV bleibt zweitklassig, Tönnies Schalker sind trotz der Finanzspritzen nach wie vor die chronisch knappen Knappen.

Beide Klubs hängen an der Nadel einer Person. Nun droht den „Junkies“ der Entzug. Kühne hat seinen Ende Juni auslaufenden Vertrag beim HSV (noch?) nicht verlängert, Tönnies tritt beim FC Schalke 04 von all seinen Ämtern zurück – und zieht mit diesem Schritt die unausweichlichen Konsequenzen der jüngsten Entwicklungen. Denn bei kaum einem anderen Klub paart sich so viel Emotionalität mit so wenig Sachverstand wie bei dem Gelsenkirchener Bundesligisten. Anders als Metzgerkollege Uli Hoeneß, der trotz seiner Steueraffäre viele FC-Bayern-Mitglieder hinter sich wusste, hatte Tönnies nach dem Rassismus-Skandal zu Beginn des Jahres und den jüngsten Corona-Fällen in seinem Betrieb keinen Rückhalt mehr bei den Schalker Fans. Eine mögliche 40-Millonen-Bürgschaft durch das Land Nordrhein-Westfalen für den mit fast 200 Millionen Euro verschuldeten FC sorgte für Kontroversen: Soll etwa der Steuerzahler die Zeche der Knappen bezahlen?

Tönnies' Rücktritt könnte den FC Schalke vollends in den Abgrund reiten. Er ist aber auch eine Mahnung an andere Vereine, sich breiter aufzustellen. Die Zukunft gehört Teams wie dem SC Freiburg oder vielleicht sogar dem 1. FC Heidenheim.
© Südwest Presse 01.07.2020 07:45
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