Heidenheim gegen Bremen

Ans Unglaubliche glauben

Der FCH ist nur noch zwei Spiele von der Bundesliga entfernt. Gegen Werder Bremen benötigt das Schmidt-Team zwei Sahnetage.
  • Überflieger Heidenheim? Niklas Dorsch will mit dem FCH in die Bundesliga. Foto: Sebastian Widmann/getty/pool/dpa
Über den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte freute sich Frank Schmidt erst mit einem Tag Verspätung. Das enttäuschende 0:3 bei Arminia Bielefeld hatte dem Cheftrainer von Fußball-Zweitligist 1. FC Heidenheim am vergangenen Sonntag mächtig zugesetzt. Dass sich sein Team trotz dieser Schlappe für die Bundesliga-Relegation qualifiziert hatte, konnte der 46-Jährige zunächst nicht genießen. Eine normale Reaktion, findet Schmidt: „Wenn wir nicht enttäuscht wären nach einer 0:3-Niederlage, wären wir keine richtigen Sportler. Es hat eine Nacht gedauert, bis ich mich habe freuen können.“

Inzwischen kribbelt es bei Schmidt gewaltig. An diesem Donnerstag steht das erste Relegationsspiel bei Werder Bremen an. Das Rückspiel findet am kommenden Montag in der Heidenheimer Voith-Arena statt (beide Spiele jeweils 20.30 Uhr/DAZN). „Ich sage es so wie es ist: Ich stehe unter Dauerstrom“, sagt Heidenheims Trainer.

Kein Wunder: Schließlich kann der FCH Geschichte schreiben, erstmals in die Bundesliga aufsteigen. Zwei Spiele ist Heidenheim nur noch vom Fußball-Oberhaus entfernt. Schmidts Team in einer Liga mit den Bayern? Es wäre eine sportliche Sensation.

Noch ist es nicht soweit: Bremen geht mit ordentlich Rückenwind in die Ausscheidungsspiele. Werder hat sich am letzten Spieltag mit einem klaren 6:1 gegen den 1. FC Köln auf den Relegationsplatz 16 gerettet, will unbedingt die Klasse halten. „Das dürfen wir uns nicht mehr nehmen lassen“, sagt Bremens Coach Florian Kohfeldt entschlossen.

Werder wird, davon ist FCH-Coach Schmidt überzeugt, alles daran setzen, Heidenheim klein zu halten, sein Heimspiel klar zu gewinnen, die Relegation quasi schon im Hinspiel zu entscheiden. „Darauf sind wir eingestellt. Wir brauchen ein Ergebnis, dass uns für das Rückspiel in unserem Stadion hoffen lässt.“

Ein Unentschieden etwa ließe alle Optionen offen. Und wenn schon in Bremen verlieren, dann möglichst knapp, lautet die Devise des Außenseiters. In der Liga ist der 1. FC Heidenheim auswärts häufig unter seinen Möglichkeiten geblieben – und nicht selten früh in Rückstand geraten. „Da müssen wir stabiler werden“, sagt der Trainer, der sich noch gut an das DFB-Pokal-Zweitrunden-Match im vergangenen Oktober erinnert. 1:4 hieß es damals im Weserstadion. Bremen machte schnell zwei Tore. Viel zu bestellen gab es da nicht für den FCH. „Aus dieser Partie können wir unsere Lehren ziehen.“

Im Vergleich zum Pokalspiel müsse sein Team schon „noch einige Schippen“ drauflegen. Es dürfe zudem nach einem Gegentor – wie jüngst in Bielefeld – nicht sofort ein zweites kassieren. „Das ist Gift. Da kommt es auf einen klaren Kopf an.“ Bremen agiere offensiv variabel, habe defensiv jedoch Schwächen. „Sie haben 69 Gegentore in der Bundesliga kassiert. Das ist enorm und zeigt, dass Bremen auch verwundbar sein kann.“

Alles in allem benötigt Heidenheim zwei Sahnetage. Das weiß auch der Trainer. „Wenn wir unser Ziel erreichen wollen, müssen wir zwei Mal 90 Minuten plus eventuell Verlängerung und Elfmeterschießen wahnsinnig gute Arbeit verrichten – mit unglaublich viel Leidenschaft.“

Ob in Bremen oder Heidenheim: Klubs, Spieler, Trainer und Fans (die coronabedingt weiter ausgeschlossen bleiben), fiebern der Relegation entgegen. Auch FCH-Routinier Marc Schnatterer, der noch nie Erstliga-Profi war. „Für die meisten ist es eine Lebenschance. Manche Dinge passieren im Leben häufig, manche bekommt man nie oder ganz selten“, sagt Heidenheims Coach Frank Schmidt, der auf die Treffsicherheit seines Goalgetters Tim Kleindienst setzt. Sein Team könne etwas ganz Außergewöhnliches erreichen: „Ich glaube an das Unglaubliche. Diesen Glauben muss ich den Spielern bis zum Anpfiff vermitteln.“
© Südwest Presse 01.07.2020 07:45
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