Handball

Herausforderung Trainingsauftakt

Nach fast vier Monaten Corona-Pause starten die ersten Bundesligisten in die Saisonvorbereitung. Anfang Oktober soll es wieder um Tore und Punkte gehen.
  • Lang ist's her: Wenige Tage nach dem Derby zwischen Balingen (rot) und TVB Stuttgart war die Handballsaison 2019/2020 abgebrochen worden. Fast vier Monate später starten die Klubs in die Vorbereitung für die neue Runde. Foto: Eibner
Wenn Handball-Bundesligisten in die Saisonvorbereitung starten, ist das deutschlandweit normalerweise nicht mehr als eine Randnotiz. In diesem Jahr jedoch ist alles anders. Denn dass im Juli ein Großteil der Mannschaften vollzählig in der Halle stehen kann, daran hat noch vor wenigen Monaten kaum einer geglaubt. Doch die rückläufige Entwicklung der Corona-Infektionen und die damit verbundenen Lockerungen haben es möglich gemacht, dass Hallensport in großen Teilen der Republik wieder nahezu normal ausgeübt werden kann. Am Mittwoch legten SC DHfK Leipzig und HBW Balingen/Weilstetten mit der Vorbereitung los, das Gros der Liga will bis Mitte Juli das Training aufnehmen.

Die Perspektive kehrt zurück

Allerdings wird bis zum anvisierten Saisonstart am 1. Oktober mehr als ein halbes Jahr ohne Handballspiel vergangen sein. Was das für den Fitnesszustand und die Verletzungsgefahr der Spieler in einer auf 20 Teams aufgestockten Bundesliga bedeutet, wird sich noch zeigen. Dennoch dominiert zum Startschuss der Vorbereitung auf diese Runde unter besonderen Vorzeichen der Optimismus: „Vor allem für Spieler und Trainer ist es wichtig, dass wir jetzt wieder ein Ziel haben, auf dass wir hinarbeiten“, erklärt Jürgen Schweikardt, der Macher des TVB Stuttgart nach Monaten der Videokonferenzen und Kleingruppentrainings mit seiner Mannschaft.

Das Handball-ABC müssen die Bundesligaprofis zwar nicht neu erlernen – und doch stellt der Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb alle vor eine besondere Herausforderung. „Man muss ganz langsam anfangen“, sagte Maik Machulla, Coach des deutschen Vizemeisters SG Flensburg-Handewitt. „Das Ganze wird einen Touch von Kinder-Handball haben. Die Schulter wird sich erst wieder an Wurf-Situationen gewöhnen müssen.“

Bis dahin will die Handball-Bundesliga (HBL) ein Hygienekonzept erarbeiten, auf deren Basis die Vereine die neue Spielzeit vorbereiten und dann auch bestreiten sollen. „Die meisten glauben, wir könnten einfach von den Konzepten vom Fußball oder Basketball abschreiben. Aber es ist schon mal grundsätzlich anders, dass wir an einem Konzept mit Zuschauern arbeiten. Auch der Wettkampf wird anders aussehen“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Den Entwurf, der in rund zwei Wochen vorliegen soll, müssen die Klubs dann bei den zuständigen Gesundheitsämtern vorlegen. „Es bedarf immer der individuellen Zustimmung der jeweiligen Behörde vor Ort“, betonte Bohmann.

Die Begleiterscheinungen des Neustarts werden aber überall ähnlich sein. „Normalerweise würde ich mich mit fünf Wochen Vorbereitung begnügen, nun halte ich aber neun Wochen für nötig“, sagte Machulla. Er gehört zu einer vierköpfigen Trainer-Taskforce, die mit der HBL in engem Austausch über den Saisonmodus und die unterschiedlichen Trainingsbedingungen in den Bundesländern steht. „Punkte wie Chancengleichheit und Planbarkeit sind uns sehr wichtig“, betonte er.

Hoffen auf Zuschauer

Mit dem um rund sechs Wochen verschobenen Saisonstart erhoffen sich die durch die Corona-Krise schwer angeschlagenen Klubs auch wirtschaftlich etwas mehr Normalität. „Wir hoffen, dass wir zumindest mit in Teilen gefüllten Hallen starten können“, sagt Schweikardt, der in der Doppelrolle als Trainer und Manager auch für das Umfeld seiner Mannschaft verantwortlich ist. In Corona-Zeiten muss man eben schon mit ein bisschen Normalität zufrieden sein. (mit dpa)
© Südwest Presse 02.07.2020 07:45
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