Gefahr – am Gleis

Immer noch passieren an Bahnübergängen tödliche Unfälle.
  • Halbschranken dürfen von Verkehrsteilnehmern auf keinen Fall umfahren werden. Foto: als

Mehr als 16 000 Bahnübergänge gibt es in Deutschland. Nur rund sechs von zehn sind technisch durch Lichtzeichenanlagen und Schranken gesichert. Andere dagegen werden lediglich durch ein Andreaskreuz gekennzeichnet. Die Bahn versucht, die Zahl der Querungen zu senken. Denn kommt es dort zu Zusammenstößen, haben die oft schlimme Folgen.

Zusammenstöße mit Zügen seien meist sehr schwere Verkehrsunfälle, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Das Problem sind demnach vor allem Übergänge mit Halbschranken oder Kreuzungen, die nur durch ein Andreaskreuz abgesichert sind. „Diese Bahnübergänge sind offen und in der Regel liegt es dann immer an der mangelnden Disziplin der Autofahrer, die noch mal eben schnell drüberhuschen wollen und dabei Rotlicht und Schranke ignorieren“, so der Unfallforscher.

Laut der Deutschen Bahn gab es 2018 an Bahnübergängen 146 Unfälle. Das sind rund drei Viertel weniger als 1995, als es noch gut 600 Mal krachte. 87 Unfälle und damit rund 60 Prozent, also die Mehrzahl der Unfälle an Bahnübergängen, passierten im Jahr 2018 an technisch gesicherten Bahnübergängen – also solchen mit Schranken und Ampeln.

Leichtsinn und Unwissenheit

Untersuchungen der Bahn sehen neben Leichtsinn auch Unwissenheit als einen Unfallgrund: „Vielen Verkehrsteilnehmern ist beispielsweise die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen gar nicht richtig bekannt“, sagt eine Bahnsprecherin.

In einer Umfrage 2017 sei beispielsweise ein Viertel der Befragten der Meinung gewesen, dass das rote Blinken an Bahnübergängen dem Gelb einer Straßenampel entspreche und man daher nicht anhalten müsse.

Klare Regeln am Bahnübergang

Die Verkehrsregeln an Bahnübergangen sind eindeutig und gelten für Auto-, Motorrad-, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen: Allgemein habe der Eisenbahnverkehr hier grundsätzlich Vorrang vor dem Straßenverkehr, sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE).

Sobald sich eine Schranke schließt oder bereits unten ist oder ein rotes Licht aufleuchtet, müssen alle Verkehrsteilnehmer vor dem Bahnübergang warten.

Sören Heinze
Auto Club Europa

Innerorts herrscht fünf Meter vor und hinter einem Andreaskreuz Parkverbot, außerorts sind es 50 Meter. Ein Bahnübergang dürfe nur zügig und ohne anzuhalten überquert werden, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Neuss.

„Stockt der Verkehr, muss man vor dem Andreaskreuz warten.“ Dies gelte auch an Fuß-, Feld-, Wald- oder Radwegen, die über ein Gleis führen. Ein Lokführer müsse sich darauf verlassen können, dass er den Vorrang hat und andere Verkehrsteilnehmer warten, so der Anwalt. Denn Züge können nicht so schnell bremsen.

Empfindliches Bußgeld

Wer die Regeln an Bahnübergängen missachtet, riskiert neben seiner Gesundheit auch eine Geldstrafe. „Es droht mindestens ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro, bei einer Gefährdung kann es noch höher ausfallen“, so Heinze. Wer nicht an der Schranke wartet und beim Drüberhuschen erwischt wird, muss mindestens 240 Euro bezahlen und mit zwei Punkten in Flensburg sowie einem einmonatigen Fahrverbot rechnen. Fußgänger, die geschlossene Halbschranken umgehen, können mit einem Bußgeld bis zu 350 Euro belangt werden.

Ein Grund mehr also, lieber geduldig zu warten. Dabei sollten Autofahrer das Radio ausstellen. Das hilft insbesondere an Übergängen ohne Schranken, herannahende Züge rechtzeitig zu hören.

Grundsätzlich gilt: „Sobald sich eine Schranke schließt oder bereits unten ist, müssen alle Verkehrsteilnehmer davor warten“, sagt Heinze. Bei Rot oder Gelb oder einem Blinklicht gelte ebenfalls die Wartepflicht. Wer dann noch das Gleis kreuzt, riskiert sein Leben. dpa

© Gmünder Tagespost 10.07.2020 15:55
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